Comboni Lainmissionare

Wirtschaft – Land der Mission (Konferenz)

Albanese

Am 20. Jahrestag des Terroranschlags auf die Zwillingstürme in New York spricht der Comboni-Missionar und Journalist P. Giulio Albanese MCCJ zu dem Thema der zivilen Wirtschaft in dem Webinar “Wirtschaft, Land der Mission”, das vom Leitungsteam der Europäischen Comboni-Laienmissionare organisiert wurde. P. Albanese geht den Mechanismen des “Schattenbankensystems” nach, die zu den Hauptverantwortlichen für die zunehmend unüberwindliche Kluft zwischen dem Norden und dem Süden der Welt gehören, und die durch die Covid-19-Pandemie noch verschärft wurde.

Wir entschuldigen uns für die technischen Probleme, die bei einer Live-Übertragung in mehrere Länder und unterschiedlichen Internetverbindungsgeschwindigkeiten aufgetreten sind.

Botschaft Von Papst Franziskus. Welttag Der Armen

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„Streck dem Armen deine Hand entgegen“ (vgl. Sir 7,32)

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„Streck dem Armen deine Hand entgegen“ (vgl. Sir 7,32). Die altehrwürdige Weisheit hat diese Worte gleichsam als einen heiligen Verhaltenskodex für das Leben aufgestellt. Sie erklingen heute mit ihrer ganzen Bedeutungsschwere, um auch uns zu helfen, den Blick auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Schranken der Gleichgültigkeit zu überwinden. Die Armut tritt immer in verschiedenen Formen auf, die für jede besondere Situation Aufmerksamkeit verlangen: In jeder von ihnen können wir dem Herrn Jesus begegnen, der offenbart hat, in seinen geringsten Brüdern anwesend zu sein (vgl. Mt 25,40).

1. Nehmen wir das Buch Jesus Sirach aus dem Alten Testament zur Hand. Hier finden wir die Worte eines Weisheitslehrers, der circa zweihundert Jahre vor Christus gelebt hat. Er suchte nach der Weisheit, die die Menschen besser macht und befähigt, die Begebenheiten des Lebens tiefer zu ergründen. Er tat dies in einer Zeit harter Prüfung für das Volk Israel, einer Zeit des Schmerzes, der Trauer und des Elends aufgrund der Herrschaft fremder Mächte. Als Mann großen Glaubens, der in der Tradition der Väter verwurzelt ist, war sein erster Gedanke, sich an Gott zu wenden, um ihn um die Gabe der Weisheit zu bitten. Und der Herr ließ es ihm an seiner Hilfe nicht fehlen.

Von den ersten Seiten des Buches an legt Jesus Sirach seine Ratschläge zu vielen konkreten Lebenssituationen dar, darunter auch die Armut. Er besteht darauf, dass man in der Not Gottvertrauen haben muss: »Überstürze nichts zur Zeit der Bedrängnis! Binde dich an den Herrn und lass nicht von ihm, damit du am Ende erhöht wirst! Nimm alles an, was über dich kommen mag, und in den Wechselfällen deiner Erniedrigung halt aus! Denn im Feuer wird Gold geprüft und die anerkannten Menschen im Schmelzofen der Erniedrigung. In Krankheiten und Armut setze auf ihn dein Vertrauen! Vertrau ihm und er wird sich deiner annehmen! Richte deine Wege aus und hoffe auf ihn! Die ihr den Herrn fürchtet, wartet auf sein Erbarmen! Weicht nicht ab, damit ihr nicht zu Fall kommt!« (2,2-7).

2. Seite für Seite entdecken wir ein kostbares Kompendium von Empfehlungen für ein Handeln im Licht einer engen Beziehung zu Gott, dem Schöpfer, der die Schöpfung liebt, der gegenüber all seinen Kindern gerecht ist und für sie sorgt. Der beständige Bezug auf Gott lenkt jedoch nicht davon ab, auf den konkreten Menschen zu schauen, vielmehr sind die beiden Dinge eng miteinander verbunden.

Die Stelle, der der Titel dieser Botschaft entnommen ist (vgl. 7,29-36), zeigt dies deutlich. Das Gebet zu Gott und die Solidarität mit den Armen und Leidenden können nicht voneinander getrennt werden. Um einen dem Herrn wohlgefälligen Gottesdienst zu feiern, ist es notwendig anzuerkennen, dass jeder Mensch, mag er noch so bedürftig und verachtet sein, Gottes Abbild in sich trägt. Aus dieser Aufmerksamkeit erwächst die Gabe des göttlichen Segens, der von der gegenüber dem Armen geübten Großzügigkeit angezogen wird. Daher kann die dem Gebet gewidmete Zeit niemals zum Vorwand werden, um den Nächsten in seiner Not zu vernachlässigen. Das Gegenteil ist wahr: Der Segen des Herrn kommt auf uns herab, und das Gebet erreicht seinen Zweck, wenn diese vom Dienst an den Armen begleitet werden.

3. Wie aktuell ist diese alte Lehre auch für uns! Das Wort Gottes überschreitet nämlich Raum, Zeit, Religionen und Kulturen. Die Großzügigkeit, die den Armen unterstützt, den Betrübten tröstet, die Leiden lindert, gibt dem die Würde zurück, der ihrer beraubt ist, sie ist Bedingung für ein ganz und gar menschliches Leben. Die Entscheidung, den Armen Aufmerksamkeit zu widmen wie auch ihren vielen verschiedenen Bedürfnissen, darf nicht von der verfügbaren Zeit oder von privaten Interessen abhängen noch von blutleeren Pastoral- oder Sozialprojekten. Man darf die Kraft der Gnade Gottes nicht durch die narzisstische Neigung ersticken, sich selbst immer an die erste Stelle setzen zu wollen.

Den Blick auf den Armen gerichtet zu halten ist schwierig, aber notwendiger denn je, um unserem persönlichen und sozialen Leben die rechte Richtung zu verleihen. Es geht nicht darum, viele Worten zu machen, sondern vielmehr, von der göttlichen Liebe angetrieben, sein Leben konkret einzubringen. Jedes Jahr komme ich mit dem Welttag der Armen auf diese für das Leben der Kirche grundlegende Wirklichkeit zurück, da die Armen immer bei uns sind und sein werden (vgl. Joh 12,8), um uns zu helfen, die Gegenwart Christi im täglichen Leben zu erfassen.

4. Die Begegnung mit einem Menschen in Armut fordert uns stets heraus und stellt Fragen an uns. Wie können wir dazu beitragen, seine Ausgrenzung und sein Leiden zu beseitigen oder zumindest zu erleichtern? Wie können wir ihm in seiner geistlichen Armut helfen? Die christliche Gemeinschaft ist aufgerufen, sich in diese Erfahrung des Teilens einzubringen, und dies in dem Bewusstsein, dass es ihr nicht erlaubt ist, diese Aufgabe an andere zu delegieren. Um den Armen eine Stütze zu sein ist es zudem wesentlich, die evangeliumsgemäße Armut selbst zu leben. Wir können nicht mit ruhigem Gewissen zuschauen, wenn ein Mitglied der menschlichen Familie ins Abseits gestellt wird und zum Schatten wird. Der leise Schrei der vielen Armen muss immer und überall das Volk Gottes an vorderster Front antreffen, damit es ihnen eine Stimme verleiht, sie verteidigt und sich mit ihnen angesichts so vieler Scheinheiligkeit und nicht erfüllter Versprechen solidarisiert und sie am Leben der Gemeinschaft teilhaben lässt.

Es stimmt, die Kirche kann keine Gesamtlösungen vorschlagen, aber mit der Gnade Christi bietet sie ihr Zeugnis und Gesten des Teilens an. Sie fühlt sich darüber hinaus verpflichtet, die Anliegen derer vorzutragen, denen das Lebensnotwendige fehlt. Allen den hohen Wert des Gemeinwohls in Erinnerung zu rufen ist für das christliche Volk eine lebenslange Verpflichtung; sie wird in dem Bemühen umgesetzt, niemanden von denen zu vergessen, deren Menschsein in seinen Grundbedürfnissen missachtet wird.

5. Die Hand entgegenzustrecken lässt vor allem den, der es tut, entdecken, dass wir fähig sind, Dinge zu vollbringen, die dem Leben Sinn verleihen. Wie viele entgegengestreckte Hände sieht man jeden Tag! Leider geschieht es immer öfter, dass die Eile in einen Strudel der Gleichgültigkeit hineinzieht, sodass man das viele Gute, das täglich in Stille und in großer Freigebigkeit vollbracht wird, nicht mehr zu erkennen vermag. So kommt es vor, dass nur bei Ereignissen, die den Lauf unseres Lebens durcheinanderbringen, die Augen fähig werden, die Güte der „Heiligen von nebenan“ zu bemerken, »derer, die in unserer Nähe wohnen und die ein Widerschein der Gegenwart Gottes sind« (Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate, 7), von denen aber niemand spricht. Die schlechten Nachrichten füllen die Seiten der Zeitungen, die Internetseiten und die Fernsehbildschirme im Übermaß, so dass man denkt, das Böse herrsche uneingeschränkt. Dem ist nicht so. Gewiss fehlt es nicht an Bosheit und Gewalt, an Übergriffen und Korruption, doch das Leben besteht aus einem Geflecht von Taten des Respekts und der Großzügigkeit, die nicht nur das Böse ausgleichen, sondern dazu antreiben, darüber hinaus zu gehen und voller Hoffnung zu sein.

6. Die Hand entgegenzustrecken ist ein Zeichen: ein Zeichen, das unmittelbar auf die Nähe, die Solidarität, die Liebe hinweist. Wie viele entgegengestreckte Hände haben wir in diesen Monaten erblicken können, in denen die ganze Welt von einem Virus gleichsam übermannt wurde, das Schmerz und Tod, Verzagtheit und Verwirrung gebracht hat. Die entgegengestreckte Hand des Arztes, der sich um jeden Patienten kümmert und nach dem richtigen Heilmittel sucht. Die entgegengestreckte Hand der Krankenschwester oder des Krankenpflegers, die weit über ihre Arbeitszeiten hinaus dableiben, um die Kranken zu versorgen. Die entgegengestreckte Hand dessen, der in der Verwaltung arbeitet und die Mittel beschafft, um so viele Leben wie möglich zu retten. Die entgegengestreckte Hand des Apothekers, der in einem mit Risiko verbundenem Umgang mit den Menschen vielen Anfragen ausgesetzt ist. Die entgegengestreckte Hand des Priesters, der mit qualerfülltem Herzen segnet. Die entgegengestreckte Hand des Freiwilligen, der denen beisteht, die auf der Straße leben, wie auch denen, die zwar ein Zuhause, aber nichts zu essen haben. Die entgegengestreckte Hand der Männer und Frauen, die arbeiten, um wesentliche Dienste und Sicherheit zu bieten. Und wir könnten noch weitere entgegengestreckte Hände bis zur Zusammenstellung einer Litanei der guten Werke anführen. All diese Hände haben der Ansteckung und der Angst die Stirn geboten, um Unterstützung und Trost zu geben.

7. Diese Pandemie kam unerwartet und hat uns unvorbereitet überrascht, während sie ein großes Gefühl der Verunsicherung und Ohnmacht hinterließ. Die dem Armen entgegengestreckte Hand hingegen kam nicht plötzlich. Sie zeugt vielmehr davon, wie man sich darauf vorbereitet, den Armen zu erkennen, um ihn in der Zeit der Not zu unterstützen. Die Werkzeuge der Barmherzigkeit werden nicht improvisiert. Es braucht ein tägliches Training, das bei dem Bewusstsein beginnt, dass wir als Erste einer Hand bedürfen, die uns entgegengestreckt wird.

Die Zeit, die wir gerade erleben, hat viele Gewissheiten in eine Krise gestürzt. Wir fühlen uns ärmer und schwächer, weil wir Grenzgefühl und Freiheitseinschränkung erfahren haben. Der Verlust der Arbeit und inniger Zuneigung wie auch das Fehlen gewohnter zwischenmenschlicher Beziehungen haben mit einem Schlag Horizonte aufgetan, die wir für gewöhnlich nicht mehr bemerkten. Unsere spirituellen und materiellen Reichtümer wurden zur Diskussion gestellt, und wir haben entdeckt, dass wir Angst haben. In die Stille unserer Häuser eingeschlossen, haben wir neu entdeckt, wie wichtig die Einfachheit ist und dass wir den Blick auf das Wesentliche richten. Wir haben das Bedürfnis nach einer neuen Geschwisterlichkeit vertieft, die zu wechselseitiger Hilfe und gegenseitiger Achtung fähig ist. Es ist dies eine günstige Zeit, um »wieder [zu] spüren, dass wir einander brauchen, dass wir eine Verantwortung für die anderen und für die Welt haben […]. Wir haben schon sehr viel Zeit moralischen Verfalls verstreichen lassen, indem wir die Ethik, die Güte, den Glauben und die Ehrlichkeit bespöttelt haben […]. Diese Zerstörung jeder Grundlage des Gesellschaftslebens bringt uns schließlich um der Wahrung der jeweils eigenen Interessen willen gegeneinander auf, lässt neue Formen von Gewalt und Grausamkeit aufkommen und verhindert die Entwicklung einer wahren Kultur des Umweltschutzes« (Enzyklika Laudato si’, 229). Kurz und gut, die großen Wirtschafts-, Finanz- und politischen Krisen werden nicht aufhören, solange wir zulassen, dass die Verantwortung, der sich ein jeder gegenüber dem Nächsten und allen Menschen bewusst sein muss, in einer Art Winterschlaf verharrt.

8. „Streck dem Armen deine Hand entgegen“ ist also eine Einladung zur Verantwortung im Sinne eines direkten Einsatzes dessen, der sich bewusst ist, dass er am gleichen Los teilhat. Es ist eine Aufforderung, die Last der Schwächeren zu tragen, wie uns der heilige Paulus in Erinnerung ruft: »Dient einander in Liebe! Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! […] Einer trage des anderen Last« (Gal 5,13-14; 6,2). Der Apostel lehrt uns, dass die uns durch Jesu Christi Tod und Auferstehung geschenkte Freiheit für einen jeden von uns die Verantwortung bedeutet, sich in den Dienst der anderen zu stellen, vor allem der Schwächsten. Es handelt sich nicht um einen fakultativen Aufruf, sondern um eine Bedingung der Authentizität des Glaubens, den wir bekennen.

Das Buch Jesus Sirach kommt uns hier wieder zu Hilfe. Es schlägt konkrete Taten zur Unterstützung der Schwächsten vor und gebraucht dabei auch einige suggestive Bilder. Zuerst zieht es die Schwachheit der Trauernden in Betracht: »Entzieh dich nicht den Weinenden« (7,34). Die Zeit der Pandemie hat uns eine Zwangsisolation auferlegt; dadurch war es uns sogar verwehrt, Freunden und Bekannten, die über den Verlust eines lieben Menschen trauerten, Trost zu spenden und nahe zu sein. Der biblische Autor sagt weiter: »Zögere nicht, einen Kranken zu besuchen« (7,35). Wir mussten die Erfahrung machen, dass wir den Leidenden nicht zur Seite stehen konnten, und gleichzeitig wurde uns die Zerbrechlichkeit unseres Daseins bewusst. Das Wort Gottes also lässt uns nie in Ruhe und regt uns weiter zum Guten an.

9. „Streck dem Armen deine Hand entgegen“ hebt im Kontrast dazu die Haltung derer hervor, die die Hände eingesteckt und sich nicht von der Armut berühren lassen, an der sie oft auch mitschuldig sind. Gleichgültigkeit und Zynismus sind ihr täglich Brot. Was für ein Unterschied zu den großzügigen Händen, die wir zuvor beschrieben haben! Denn es gibt ausgestreckte Hände, die schnell über eine Computertastatur bewegen und Geldbeträge von einem Teil der Welt in einen anderen verschieben und damit den Reichtum begrenzter Oligarchien wie auch das Elend von Massen oder den Konkurs ganzer Nationen bestimmen. Es gibt ausgestreckte Hände, die Geld anhäufen mit dem Verkauf von Waffen, die andere Hände – auch von Kindern – dann verwenden, um Tod und Armut zu säen. Es gibt ausgestreckte Hände, die heimlich tödliche Dosen reichen, um sich zu bereichern und in Luxus und in vergänglichen Ausschweifungen zu leben. Es gibt ausgestreckte Hände, die für einen einfachen, korrupten Gewinn unter der Hand gesetzwidrige Gefälligkeiten erbringen. Und es gibt viele ausgestreckte Hände, die in Scheinheiligkeit Gesetze festlegen, die sie selbst nicht einhalten.

Mit dieser Aussicht »warten die Ausgeschlossenen weiter. Um einen Lebensstil vertreten zu können, der die anderen ausschließt, oder um sich für dieses egoistische Ideal begeistern zu können, hat sich eine Globalisierung der Gleichgültigkeit entwickelt. Fast ohne es zu merken, werden wir unfähig, Mitleid zu empfinden gegenüber dem schmerzvollen Aufschrei der anderen, wir weinen nicht mehr angesichts des Dramas der anderen, noch sind wir daran interessiert, uns um sie zu kümmern, als sei all das eine uns fernliegende Verantwortung, die uns nichts angeht« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 54). Wir dürfen uns nicht zufriedengeben, solange diese Hände, die Tod säen, nicht zu Werkzeugen der Gerechtigkeit und des Friedens für die ganze Welt geworden sind.

10. »Bei all deinen Worten bedenke dein Ende« (Sir 7,36). Mit dieser Aussage beschließt Jesus Sirach seine Überlegungen. Der Text erlaubt eine zweifache Interpretation. Die erste hebt hervor, dass wir immer das Ende unseres Daseins berücksichtigen müssen. An das gemeinsame Los zu denken kann eine Hilfe sein für ein Leben im Zeichen der Achtsamkeit gegenüber dem, der ärmer ist und nicht die gleichen Möglichkeiten hatte wie wir. Es gibt ebenso eine zweite Deutung, die vielmehr das Ziel, den Zweck unterstreicht, zu dem jeder unterwegs ist. Es geht um das Ziel unseres Lebens, das einen Plan erfordert, den man verwirklichen soll, und einen Weg, den man ohne müde zu werden gehen muss. Das Ziel jeder unserer Handlungen kann nur die Liebe sein. Dies ist der Zweck, warum wir uns auf den Weg gemacht haben, und nichts darf uns davon abbringen. Diese Liebe heißt Teilen, Hingabe und Dienst, beginnt aber bei der Entdeckung, dass wir als Erste geliebt sind und wieder zur Liebe gerufen sind. Dieses Ziel erscheint in dem Moment, da das Kind dem Lächeln seiner Mutter begegnet und sich geliebt weiß aufgrund der Tatsache selbst, dass es existiert. Auch ein Lächeln, das wir mit einem Armen teilen, ist eine Quelle von Liebe und ermöglicht es, in Freude zu leben. Die entgegengestreckte Hand also kann immer durch das Lächeln dessen bereichert werden, der seine Gegenwart und dargebotene Hilfe nicht betont, sondern sich einfach freut, nach dem Stil des Jüngers Christi zu leben.  

Auf diesem Weg, täglich den Armen zu begegnen, begleite uns die Mutter Gottes, die mehr als jede andere die Mutter der Armen ist. Die Jungfrau Maria kennt aus nächster Nähe die Schwierigkeiten und Leiden der Ausgegrenzten, denn sie selbst musste den Sohn Gottes in einem Stall zur Welt bringen. Wegen der Bedrohung durch Herodes floh sie mit Josef, ihrem Bräutigam, und dem kleinen Jesuskind in ein anderes Land, und das Leben als Flüchtlinge prägte für einige Jahre die Heilige Familie. Das Gebet zur Mutter der Armen möge diese ihre geliebten Kinder und alle, die ihnen im Namen Christi dienen, verbinden. Und das Gebet verwandle die entgegengestreckte Hand in eine gemeinsame Umarmung wiedergefundener Geschwisterlichkeit.

Rom, St. Johannes im Lateran, 13. Juni 2020, Gedenktag des heiligen Antonius von Padua.

FRANZISKUS

Frischer Wind: Lebensgeschichten und soziale Dienste

ministerialidad
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Die Comboni-Missionare und Comboni-Missionsschwestern verdanken ihr Dasein dem Plan des Hl. Daniel Comboni, Afrika durch Afrika zu bekehren. Er veröffentlichte seinen Plan zum ersten Mal im Jahr 1864 und überarbeitete und aktualisierte ihn sieben Mal. Er betrachtete ihn als eine Inspiration von Oben, als eine Frucht der barmherzigen Liebe des Guten Hirten für Afrika, das er „die schwarze Perle“ nannte. Er suchte aber gleichzeitig auch Hilfe von Unten, indem er verschiedene Missionsstrategien studierte, kirchliche und phil-anthropische Gruppen, Wissenschaftler und Geographen konsultierte, besonders bei der Suche von Personal und finanziellen Mitteln, um den Plan verwirklichen zu können.

Die Biographen erkennen in Comboni einige grundlegende Merkmale, unter denen sein praktischer, dynamischer Scharfblick und sein unerschütterliches Vertrauen in die Entfaltung Afrikas, trotz der vielen Hindernisse, Kreuze, Missverständnisse, Verleumdungen und kritischer Stimmen, besonders erwähnenswert sind. Ein Beweis dafür sind die zwei aus der Sklaverei befreiten Sudanesen P. Daniel Sorur Pharim Den (1860-1900) und Sr. Fortunata Quascè (1845-1899), die durch ihre Dienste die Gültigkeit des Planes bezeugen.

P. Daniele beschrieb die reale Lage der Afrikaner und betonte, dass zu deren Entfaltung zwei Bedingungen unerlässlich sind: sie vom Joch der Sklaverei zu befreien und ihnen die gleichen Ausbildungsmöglichkeiten wie den anderen Völkern zu garantieren. Sr. Fortunata widmete ihr ganzes Leben der Ausbildung und Vorbereitung afrikanischer Mädchen, damit diese, befreit von jeglicher Sklaverei, beim Erneuerungsprozess im Herzen Afrikas auch mitwirken können.

Seit über 150 Jahren haben Combonis Erben, erleuchtet von Oben, mit der gleichen Entschlossenheit, demselben Vertrauen und getragen von Mitleid und Liebe zu den Ärmsten und Verlassensten, den Traum verwirklicht, Afrika durch soziale Dienste zu bekehren, indem sie unter dem Einwirken des Geistes, der „das Angesicht der Erde erneuert“ (Ps 104,30), den Plan an die neuen Zeiten und Orte angepasst haben. Das ist ein wichtiges Patrimonium, das besonders heute erkannt und geschätzt werden muss, um dem neoliberalen System von gierigen Ausbeutern entgegenzutreten, das die Güter dieser Welt in den Händen einiger weniger konzentriert, die Wegwerfkultur fördert und auf diese Weise Milliarden von Menschen den Zugang zu einem würdigen Leben versperrt.

Aus diesem Grund haben die Generalleitungen der Comboni-Familie für das Jahr 2020, das die Comboni-Missionare dem Dienstamt gewidmet haben, eine ad hoc ernannte Kommission gebeten, ein Buch zu veröffentlichen, in dem einige Lebenserfahrungen von sozialen Diensten erzählt werden. Gleichzeitig sollte die Kommission versuchen, die Präsenzen und Einsätze der Gemeinschaften der Comboni-Familie auf den vier Kontinenten zu erfassen. Wir sind ersucht worden:

•          Gemeinsame Kriterien, Modelle und Prinzipien anhand der aktuellen Erfahrungen von Zusammenarbeit zu erarbeiten und sie in eine institutionelle Perspektive einzuordnen.

•          Die Auswirkung der verschiedenen Dienste auf die Realität zu bewerten und zu eruieren, in wieweit unsere Dienste einem wahren Bedürfnis der Zeit entsprechen.

Diese Arbeit war zweifellos ehrgeizig, aber gleichzeitig auch begrenzt, weil es eben schwierig ist, einen Erfahrungsschatz zu Papier zu bringen. Dazu kommt die Qual, unter den Erfahrungen von 3.500 geweihten und nicht geweihten Missionaren, die in Afrika, Amerika, Asien und Europa das Comboni-Charisma als Arbeitsgrundlage haben, auszuwählen.

Das Buch mit dem Titel „Wir sind Mission. Zeugen der Sozialdienste in der Comboni-Familie“ wurde im Juni 2020 in vier Sprachen (Italienisch, Englisch, Spanisch und Französisch) veröffentlicht. Die Arbeit ist das Ergebnis der Mitarbeit von 61 Missionaren, die gebeten wurden, von ihren Erfahrungen im Sozialdienst zu erzählen. Sodann haben zwei externe Experten das Material gesichtet und dabei auf die Stärken der dienstamtlichen Einsätze und auf die noch aufzulösenden Knoten hingewiesen, um wirksamer auf Änderungen im System hinzuarbeiten.

Die Erzählungen und der Austausch helfen uns zu verstehen, dass trotz der vielen Situationen, Ansätze und Initiativen die soziale Dimension die Querachse eines jeden Dienstes ist; in dem Sinn, dass jeder Dienst, als Geschenk Gottes verstanden, durch seine ihm innewohnende Kraft die Befreiung der Unterdrückten, das „Gnadenjahr“ (Lk 4,18-19) verkündet, und den Heiden, im ursprünglichen und von der Vorsehung bestimmten Plan, „einen neuen Himmel und eine neue Erde“ offenbart (Offb 21,1).

Die Beschreibung der Vorgehensweise im sozialen Dienst bereichert aus diesem Grund das Missionsmodell, das immer mehr die Vielschichtigkeit der heutigen Welt durchdringt und auf die Zeichen der Zeit und der Orte eingeht, um allen Völkern den Glauben an Jesus Christus neu verkünden zu können, in einer heute verständlichen Sprache und Form.

Der begonnene Prozess wird sich lange hinziehen, aber er kann sich mit einigen Themen und Vorschlägen des Buches behelfen und auch mit anderen, die in der Gesamtauflistung (mappatura) der Comboni-Familie aufscheinen. Im Verlauf des Forums in Rom über die sozialen Dienste der Comboni-Missionare im kommenden Dezember 2020 wird es Gelegenheiten geben zur Besinnung, zu Überlegungen, zu Synthesen, zum Unterscheiden und zum Neubeginn.

Wir beginnen nicht am Nullpunkt, wir gehen nicht von Theorien aus, sondern von täglichen und ausgetauschten Erfahrungen der Mission, die mit einigen Verben zusammengefasst werden können:

Sehen: mit „durchdringenden Augen und offenem Herzen“, um die Herausforderungen und Möglichkeiten für die Verkündigung des Evangeliums zu nutzen.

Nachbar werden: in der Dynamik einer missionarischen und sich „in Aufbruch“ befindenden Kirche, die in Randgebieten lebt, die Wunden von Brüdern und Schwestern berührt und den Geruch der Schafe und den Lebensstil der Armen annimmt.

Begegnen: die Mystik der Begegnung leben und fördern. Sich zur Katholizität bekennen und die Distanz zwischen Credos und Kulturen durch Dialog und Ökumene verkürzen, zum Wohl einer allumfassenden Geschwisterlichkeit.

Erneuern: sich von der Wirklichkeit herausfordern lassen; sich nach den fünf Broten und den zwei Fischen der Kleinen, nach den zwei kleinen Münzen der Witwe und dem Wasser zur Reinigung der Völker umsehen.

Verändern: es bleibt keine Zeit mehr für kleine Änderungen; es ist die Zeit des Umbruchs! Die Zeit ist gekommen, sich den Ursachen zu stellen, die zu Ungleichheiten zwischen Menschen, Völkern und zur Wegwerfkultur führen.

Feiern: alles, was dem sozialen Dienst Beständigkeit verleiht und die Jünger nach dem Ostergeheimnis Christi ausrichtet, zur Unterstützung des Glaubens im Alltag der Mission.

Neuaufbrechen: im Blick des Geistes ist kein Platz mehr für Selbstverherrlichung und Ruhmsucht; alles wird im Feuer erprobt, das reinigt und dazu drängt, zu wagen und neue Wege einzuschlagen, damit es immer mehr die Wege Gottes sind.

Die Bereiche der sozialen Dienste

Das Herz der sozialen Dienste hört auf den Schrei der Armen, stellt sich an ihre Seite, damit sich ihre Erwartungen erfüllen und sie zum Wandel befähigt werden, nach der evangelischen Logik des Herrn: „Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen“ (2 Kor 8,9).

Als Comboni-Familie haben wir uns immer auf die soziale Dimension konzentriert: Gewissensbildung und Schulung von Führungskräften; Medien und Kommunikation; Sorge und Aufmerksamkeit für die Menschen, Gesundheitswesen und Erziehung; existenzielle und geografische Randgebiete (Betreuung von Straßenkindern, Kriegs- und Konfliktsituationen, ethnische Minderheiten; Handel mit Minderjährigen und Frauen; Menschenrechte; Gefängnisseelsorge, Hirtenvölker …); menschlicher und pastoraler Einsatz für Migranten; Bewahrung der Schöpfung; Liturgie und Katechese.

Perspektiven

Der Prozess, die soziale Dimension des Dienstes zu betonen, darf und soll nicht als eine durch Umstände bedingte und zeitlich begrenzte Aktion betrachtet werden. Es handelt sich um eine lange Reise, nach der lebendigen Tradition der Kirche. Dieser Prozess muss unterstützt, gefördert und überprüft werden, angesichts des rasanten Rhythmus des epochalen Wandels, um die missionarische und charismatische Präsenz der Comboni-Familie in der heutigen Welt wirksam und schöpferisch zu gestalten.

Die soziale Dimension der Dienste lädt uns daher ein, die Missionstätigkeit zu überprüfen. Es ist eine Einladung an die Comboni-Familie, darüber nachzudenken, was sie beim Aufbau des Reiches Gottes zum Wohle der Menschheitsfamilie sein und verwirklichen will. Der rote Faden ist immer die Mission, mit diesen besonderen Merkmalen:

•          Veränderung des Systems, das die Müllkultur verursacht;

•          Evangelischer Einsatz zum Wohl der Menschen durch Nähe und samaritanisches Mitgefühl;

•          Synodale Haltung, die alle einbezieht und an allen Diensten beteiligt;

•          ökologische Umkehr, im Bewusstsein, dass wir durch die Bewahrung des gemeinsamen Hauses die Bedingungen für ein würdiges Leben für alle schaffen, insbesondere für die Ausgeschlossenen.

Der Titel des Buches „Wir sind Mission“ wird so zu einem Appell an die Mission, an die Gemeinschaft von Erneuerten, von Schwestern, Brüdern und Laien, die immer enger mit anderen Gruppen, kirchlichen Verbänden und Laienorganisationen, als integrierendem Teil des Gottesvolkes, verbunden sind.

Dieser Umbruchsprozess verstärkt Combonis Traum, Afrika durch Afrika zu bekehren, in der Perspektive des großen Traums von Papst Franziskus, der im postsynodalen Apostolischen Schreiben „Querida Amazonia“ zum Ausdruck kommt: Der Traum, eine neue Gesellschaft mit Einbeziehung der „Randgruppen“, und einen neuen Sozialpakt für das Gemeinwohl aufzubauen. Der kulturelle Traum einer pluralistischen Gesellschaft; der ökologische Traum, wo alles untereinander verflochten ist. Der Einsatz für die Rettung der Welt garantiert die Zukunft der gesamten Menschheitsfamilie. Und schlussendlich der kirchliche Traum, symbolisiert durch das Bild vom „Feldkrankenhaus“, das mitten im Alltag der Armen und Ausgegrenzten steht, die Wunden der Brüder und Schwestern berührt und sie mit dem Öl des Friedens und der Versöhnung heilt.
Fernando Zolli und Daniele Moschetti

Übersetzung: Pater Alois Eder

Die Laien und das Dienstamt

Laicado
Laicado

Die Laien und das Dienstamt/Ministerialità

  Wir versuchen, das Dienstamt aus dem Blickwinkel der Laien, insbesondere des Missionsberufs und des Comboni Missionars zu betrachten. Bevor wir uns aber vom Glauben her damit beschäftigen, wollen wir zuerst genau den Rahmen festlegen.

   Unser Leben wird auf den Kopf gestellt, wenn wir Jesus von Nazareth persönlich begegnen. Wir leben in einer Gesellschaft von vielen Männern und Frauen guten Willens. Jede Person hat ihre Prinzipien und Werte, die ihre Handlungen und lebenswichtigen Optionen bestimmen. Sobald wir uns Christus anschließen, gibt es in unserem Leben ein Vorher und ein Nachher. Wie die ersten Jünger, begegneten auch wir eines Tages Jesus. Unser Herz schlug höher und wir fragten: “Wo wohnst du?” “Komm und sieh”, war seine Antwort. In jenem Augenblick veränderte sich unser Leben.

  Viele Wege haben zu dieser Begegnung geführt. Für viele war es die eigene Familie; für andere die christliche Gemeinde, Freunde; andere sind durch gewisse Ereignisse auf diesen Weg aufmerksam gemacht worden… Die Wortklauberei ist natürlich sehr ausgeprägt. Ausschlaggebend sind aber letztlich die freie Antwort und deren Auswirkungen auf unser Leben.

  Es steht jedem frei zu antworten; niemand zwingt uns dazu; die Antwort ist ein Gnadengeschenk, mit dessen Hilfe unser Leben erneuert wird.

  Der Laie ist vor allem ein Jünger Christi. Er folgt keiner Ideologie. Es geht auch nicht nur um den Einsatz für berechtigte Anliegen, um einer neuen, gerechteren und würdevolleren Menschheit auf die Beine zu helfen. Man braucht auch nicht alle religiösen Vorschriften erfüllen, die uns in unserer Gottesbeziehung helfen. Christ sein heißt in erster Linie, Jesus nachfolgen; aus unserer Bequemlichkeit ausbrechen; uns auf den Weg machen; nur das Allernötigste mitnehmen, um unbeschwert, stets offen und verfügbar zu sein. Unterwegs wird uns Jesus klarmachen, welche Verantwortung er uns in der Verkündigung und beim Aufbau des Reiches anvertrauen will.

  Wir sprechen von einem Zustand ständiger Unterscheidung der Geister, was nichts anderes als ein Dauerdialog mit dem Herrn ist. Es gibt natürlich im Leben eines jeden Menschen besondere Augenblicke der Urteilsfindung. Dabei geht es um dessen zentrale Berufung: um den Ehestand oder den Missionsberuf oder um einen ganz konkreten Beruf, mit dem wir anderen helfen wollen, indem wir eine bestimmte Art von Studium oder von Arbeit wählen… Es ist grundlegend für jeden Menschen, ganz zu seinem Beruf zu stehen, sei er nun Krankenpfleger, Arzt, Lehrer, Manager, Anwalt, Erzieher, Sozialarbeiter, Politiker, Schreiner etc.

  Das sind entscheidende Momente im Leben von Jugendlichen oder von Erwachsenen. Neben diesen Augenblicken, die uns in schwierigen Zeiten auf unserem Weg unterstützen, wollen wir auch unterwegs Hörende bleiben. Wir wollen es uns nicht bequem machen. Im Leben gibt es immer wieder neue Herausforderungen und ergehen neue Anrufe Jesu an uns. Den Koffer griffbereit zu haben, gehört zum Missionsleben. Es ist unsere Aufgabe, Menschen und Gemeinden für eine bestimmte Zeit zu begleiten, dann uns aber wieder auf den Weg zu machen, denn der Aufbruch gehört zu unserem Wesen. Aufbrechen oder weiterwachsen. Wir bleiben nicht auf Jahre hinaus die Gleichen, wir merken, dass sich die Bedürfnisse ändern. Wir sind aufgerufen, unser Land zu verlassen, uns in andere Länder, zu anderen Kulturen aufzumachen… Neue Aufgaben, neue Verantwortungen werden uns übertragen, wir werden in unsere Heimat zurückgerufen. Das alles ist Teil unserer Berufung. In jedem Anruf, in jeder neuen Veränderung müssen wir versuchen die Pläne des Herrn zu verstehen, die er für uns bereithält. Warum schickt er uns auf einen anderen Erdteil oder ruft uns in die Heimat zurück, wo wir uns doch so wohl fühlten, so gut mit anderen zusammenarbeiteten und unsere Präsenz so wichtig war. Jetzt sollen wir von allem Abschied nehmen und anderswo neu beginnen…

  Warum spüren wir eine gewisse Unruhe in uns und stellen uns in Frage, sobald wir glauben, den endgültigen Hafen erreicht zu haben? Es ist die Stimme des Herrn, die sich bemerkbar macht. Mit ihm verbindet uns eine Freundschaft, die unser Wachstum fördert. Als Freunde gestalten wir gemeinsam das Leben und die neuen Projekte. Wir erleben stabile Zeiten, aber auch Zeiten neuer Herausforderungen. Wir sind nicht in der Welt, um auszuruhen, sondern uns am Leben zu freuen, und dafür zu kämpfen, dass auch andere sich freuen können.

  Wir antworten auf diesen Aufruf, aber machen uns nicht allein auf den Weg, sondern als Gemeinschaft. Wir sind keine Einzelgänger. Unsere Zugehörigkeit zur Kirche und zur Menschheitsfamilie ist Teil unserer christlichen Berufung. Als Mitglieder dieser Kirche fühlen wir uns zu einem gemeinsamen Dienst berufen. Als Comboni-Laienmissionare  (LMC) spüren wir diese Zugehörigkeit und nehmen unsere spezifische Berufung als gemeinsame Verantwortung wahr. Jeder ist persönlich gerufen worden, aber gleichzeitig auch als Gemeinschaft. Wir betrachten die Kirche als universales Sakrament der Erlösung, jeder von seiner Besonderheit her, seiner Gaben und seines Charismas, für die Verkündigung und den Aufbau des Reiches.

  Jesus ruft seine Jünger auf zu leben und den Weg in Gemeinschaft zu gehen. Wir sind uns bewusst, dass wir nur unter der Führung Jesus weiterkommen. Als Gemeinschaft brauchen wir jene tiefe Spiritualität, die uns mit Jesus, dem Vater und dem Geist verbindet. Das Gebet, das Glaubensleben und die Gemeinschaft werden für den CLM geistliche Nahrung und Lebensbezug.

Der Mittelpunkt der Mission in Comboni. Die Kirche im Dienst der Mission
  Für Comboni war die Mission der Mittelpunkt seiner Berufung und seine unerlässliche Aufgabe in der Kirche. Die hilfebedürftigsten Schwestern und Brüder erwarten von uns eine Antwort. Da diese sehr wichtig, aber auch sehr komplex ist, braucht nicht jeder für sich darauf zu antworten, sondern als kirchliche Gemeinschaft. Von allen Christen wird eine Antwort erwartet, unabhängig von der Stellung in der Kirche. Jesus ruft jeden zum Gehen auf. So komplex sind die Bedürfnisse der Menschheit von heute und so vielschichtig, dass der Geist Gottes in der Welt und in der Kirche verschiedene Berufungen und Charismen erweckt, die sich dieser Realitäten annehmen. Wer die Kirche mit dem Klerus und mit den Ordensleuten identifiziert, hat keine Ahnung von Jesus und hört nicht auf den Geist Gottes. Die Berufung zum Priestertum oder zum Ordensleben ist in ihrer Vielfalt für die Welt von grundlegender Bedeutung, steht aber nicht über dem Einsatz aller und eines jeden einzelnen Laien. Die Verantwortung der Kirche ist nicht nur an die Religiosität oder Spiritualität der Personen gebunden. Unsere Verantwortung ist auch sozialer, familiärer, ökologischer, pädagogischer, gesundheitlicher Natur usw., gemeinsam mit der ganzen Welt. Die alltäglichen Angelegenheiten sind auch Gottes Angelegenheiten. Die Aufmerksamkeit einem jeden Menschen gegenüber in seinen konkreten und globalen Bedürfnissen gehört zum Aufgabenbereich der Jünger Jesu. Dabei ist die Rolle der Laien, von Mann und Frau, von grundlegender Bedeutung, in materieller und geistlicher Hinsicht… so hatte es Comboni gesehen und so sehen es wir.

Comboni

Der Laie in der Welt

  In diesem allumfassenden Aufruf, der an uns ergeht, zeigt sich die Kirche als Referenzgemeinschaft. Sie ist der Ort, wenn auch nicht der einzige, wo man wieder zu Kräften kommt und sich stärken kann. Es ist Aufgabe der Laien, Wurzeln zu schlagen, die den Boden festigen und fruchtbar machen; Solidaritäts- und Beziehungsnetze aufzubauen, die die Gesellschaft, von der Familie her, die kleinen Wohngemeinschaften, sozialen Verbände, Unternehmen … miteinander verbinden. Wir bauen Netzwerke auf und fördern Beziehungen, Zusammenarbeit und Beschäftigung. Wir sind in diesen Netzwerken eingebunden, unterstützen sie und geben ihnen eine spirituelle Grundlage, damit sie sich in den Dienst der Menschen und insbesondere der Verwundbarsten stellen. Wir sind für alle da, aber unser Blick richtet sich vor allem auf die Ärmsten und am meisten Vernachlässigten, von denen Comboni sprach, auf die von der Gesellschaft Ausgeschlossenen. Dieser Blick ermutigt uns, die Peripherien aufzusuchen, denn von unten sieht man die Dinge anders. Wir dürfen uns nicht mit einer Gesellschaft zufrieden geben, in der nicht alle ein würdevolles Leben führen können, die den Besitz über das Sein stellt, der Konsum einen kranken Planeten verwüstet, der uns anschreit und unsere globale Verantwortung einfordert. Diese Vision, die unser Leben hinterfragen soll, ruft nach konkreten Taten.

  Die Berufung des Laien ist eine Berufung zum Dienst an der Menschheit. Für einige wird es ein kircheninterner Dienst sein. Wer in der Pfarrei mitarbeitet, ist aber nicht schon automatisch ein guter Laie, wenn er den Dienst an der Welt aus den Augen verliert. Gewisse interne Dienste sind notwendig, jedoch die Kirche muss hinausgehen. Mit Jesus auf die Straße gehen, von Stadt zu Stadt, von Haus zu Haus, um allen unterschiedslos zu helfen. Wir sind Salz der Erde, Hefe im Teig, … unser Platz ist in der Welt, um unseren Beitrag zu leisten. Wir dürfen nicht zu Hause sitzen bleiben, weil wir uns dort wohl fühlen und uns gegenseitig verstehen. Wir müssen hinausgehen. Die Kirche lebt nicht für sich selbst, sie ist eine Glaubensgemeinschaft, die Jesus nachfolgt und den Benachteiligten dient. Aus all diesen Gründen fühlen wir uns berufen, die Entwicklung der Gesellschaft (auch der christlichen) voranzutreiben.

Wie entsprechen wir als LMC dieser Berufung?

  Gegenwärtig wird in der Kirche viel über das Spezifische der Mission reflektiert. Welche sind oder sollten die spezifischen Dienste des Missionars sein, sobald die geografische Verbindung zur Mission, zwischen dem reichen Norden und dem zu entwickelnden Süden, wo es zum Teil große Ungleichheiten und viele Schwierigkeiten gibt, aufhört… Freilich gibt es auch in den sogenannten reichen Ländern Obdachlose, Zwangsmigration aufgrund von Armut, Kriegen und Verfolgungen. Der Klimawandel setzt der Menschheit immer mehr zu. Die COVID-19-Pandemie erinnert uns daran, dass wir eine globalisierte Menschenfamilie über alle Grenzen hinweg sind. Sie zieht uns alle gleichermaßen in Mitleidenschaft. Bis jetzt schien es, als könnte nur das Geld ohne Reisepass zirkulieren, die Viren können es auch.

  Nur in einer gerechten Welt können wir alle in Frieden und Wohlstand leben. Ungleiche Löhne, Auseinandersetzungen, maßloser Konsum, der die Pole schmelzen lässt, und Vieles mehr hat Auswirkungen auf die ganze Menschheit. Zäune und Polizei an den Grenzen, vor den Häusern oder Wohnsiedlungen der Wohlhabenden werden die Welt nicht besser machen, auch nicht für jene, die dahinter Zuflucht suchen.

  Nur unter diesem Blickwinkel sind Debatten und Reflexionen über das Spezifische des CLM in der heutigen Zeit hilfreich. Ich will jetzt keine theoretischen Überlegungen anstellen. Ich möchte nur mit einfachen Worten von einigen Einsätzen erzählen, bei denen wir mittun und unsere Berufung leben. Das ist unser Dienst/unsere Ministerialità, zu dem wir uns berufen fühlen. Es ist unsere konkrete Antwort und keine Theorie, die wir anbieten. Ich erwähne nur einige Beispiele, die uns Licht spenden können, andere bleiben verborgen. Nicht umsonst sind wir berufen, verborgene Steine zu sein.

  Seit mehr als 25 Jahren arbeiten unsere Mitglieder unter den Pygmäen und der Bevölkerung der Zentralafrikanischen Republik. Die Mehrheit der Bevölkerung betrachtet die Pygmäen als ihre Untergebenen. Wir sind Brückenbauer und tragen Verantwortung für eine Reihe von Grundschulen in einem Land, das schon mehrere Staatsstreiche erlebt hat und sich seit Jahren in einer Konfliktsituation befindet, die es der Regierung nicht erlaubt, ihren Verpflichtungen nachzukommen.

  In Peru begleiten wir Menschen an der Peripherie großer Städte, in neuentstehenden Stadtvierteln, in denen von den Anden kommende Indios ein Stück Land besetzen und sich ohne Strom, Wasser oder Kanalisation niederlassen. Es sind Familien, die um ein würdiges Leben kämpfen, ihre Dörfer verlassen haben, um sich und ihren Kindern in der Stadt ein besseres Leben zu ermöglichen. Es gibt viel Solidarität und Hilfsbereitschaft unter Nachbarn, aber auch Schwierigkeiten aufgrund von Alkohol, sexueller Gewalt oder des Zusammenbruchs von Familienstrukturen.

  In Mosambik arbeiten wir in der Ausbildung von Jugendlichen, die einmal mithelfen möchten, das Land voranzubringen. Es braucht Schulen für deren Berufsausbildung und Internate für deren Unterbringung während des Schuljahres, da sie von weit entlegenen Dörfern kommen. Diese jungen Menschen und die christlichen Gemeinden zu begleiten, ist ebenfalls Teil unserer Berufung.

  Wir arbeiten auch in Brasilien. Wir beteiligen uns im Kampf gegen die mächtigen Minenbesitzer, die die Bewohner vertreiben, die Flüsse oder die Luft vergiften, die Kommunikation unterbrechen durch kilometerlange Züge, mit denen die Mineralien weggeführt werden, ohne sich um die Umwelt oder das Wohl der Menschen zu kümmern.

  In Europa beteiligen wir uns an der Aufnahme von Migranten. Wir versuchen zurückzugeben, was wir einmal als Ausländer erhalten hatten. Wir sind verpflichtet, jene aufzunehmen, die vor Not oder Kriegen fliehen, für ihre Familien eine bessere Zukunft suchen, bei ihrer Ankunft aber nicht nur vor hohen Mauern aus Beton und Draht stehen, sondern auch vor Mauern der Angst und von Missverständnissen von Seiten der Bevölkerung. Wir bauen Brücken zu einer Bevölkerung, die sich weiterhin gastfreundlich und solidarisch zeigt, in sozialen und kirchlichen Organisationen präsent ist, sich mobilisiert, um ihre neuen Nachbarn willkommen zu heißen und zu integrieren. Wir heißen sie willkommen bei ihrer Ankunft, bieten ihnen Sprachkurse an, vermitteln ihnen Arbeit und Wohnung, begleiten sie zu den Behörden, erkennen ihre Würde, ihre Kultur und den Reichtum an, den ihre Präsenz für unsere neue Gesellschaft bedeutet, und versuchen, sie einer Welt zu vermitteln, die sie oft nicht versteht.

  Wenn Gesellschaft und Menschen versagen, dann wissen wir nicht mehr, was mit diesen Leuten anfangen. Sie in Gefängnisse zu stecken ist keine Lösung, denn solche Orte werden zu Brutstätten von Kriminalität und dienen deshalb nicht der erhofften Rehabilitation. Die in Brasilien entstandenen APAC breiten sich langsam aus. Es ist eine Art Absonderungssystem, in dem der Angekommene als Genesender und nicht als Häftling betrachtet wird. Er wird beim eigenen Namen gerufen und wird nicht als Nummer betrachtet. Er ist selbst für sein Leben verantwortlich. Es wird ihm geholfen, seine Fehler einzusehen, um Vergebung zu bitten und sich als aktives Mitglied wieder in die Gesellschaft einzuordnen. Die Gemeinschaft sucht ihren Beitrag zu leisten und ihre Söhne und Töchter zurückzuholen, die Fehler begangen haben. Sie haben ihren eigenen Türschlüssel und gemeinsam entdecken sie die Würde der Kinder Gottes, die Reue und ihren Wert als Personen für die Gesellschaft.

   Unsere Lebensweise in den reicheren Ländern saugt den erschöpften Planeten aus. Der internationale Handel macht viele arm und hilft nur wenigen… Sich für einen neuen Lebensstil einsetzen, ist unerlässlich, um die Paradigmen und Werte zu ändern, die allein das soziale Wohl und das Glück fördern können. Eine Gesellschaft, in der Besitz und Konsum über dem Sein stehen, braucht neue Lebensstile. Auf diesem Gebiet arbeiten wir in Europa mit. Wir schlagen neue Lebensstile vor, neue Arten von Einsätzen und treten für ein entsprechendes Verhalten in Konsum und Wirtschaft ein.

  Wir könnten uns auch um die Schulbildung von Jugendlichen am Rande unserer Städte bemühen, den Kranken beistehen und ihnen das barmherzige Antlitz und die Hand Gottes zeigen, Obdachlosen und Drogenabhängigen beistehen…

  Als Missionare müssen wir alle auf die Realität der globalisierten Welt aufmerksam machen, die gemeinsames Handeln und eine neue Positionierung erfordert. Unsere Aktionen, unsere kleinen Sandkörner bilden Berge, die wir besteigen können, um eine bessere Welt zu sehen und zu erträumen, zusammen mit den Leuten, mit denen wir den Alltag verbringen, die keinen Horizont und keinen Ausweg aus ihren Schwierigkeiten sehen. Wir wollen unseren Blick erheben, nach vorne schauen, um diesen Gruppen Mut einzuflößen und sie zu begleiten. Unser Platz ist dort, wo niemand hingehen will.

  Wir sind aufgerufen, uns gemeinsam den globalen Problemen zu stellen, uns zusammenzuschließen, Solidarnetze für die Menschen aufzubauen, die das gemeinsame Haus bewohnen, das jeden Tag kleiner zu werden scheint. In die Mitte wollen wir Jesus stellen, der unser Leben verändert hat. Gott ist für alle da. Wir fühlen uns verantwortlich, die Gute Nachricht zu verbreiten; Gott als den Lebendigen darzustellen, der unter uns wohnt, uns begleitet und uns nie verlässt. In jedem Menschen, im Bedürftigsten, in der Gemeinschaft wartet Gott auf uns, um unser Leben umzugestalten und uns glücklich zu machen. Gott wartet darauf, uns lebendiges Wasser zu reichen, das den Durst der Menschen stillt.

Der Herr stärke uns mit seiner Gegenwart, damit wir den Menschen beistehen und sie begleiten bis sie ihm begegnen.

LMC

Alberto de la Portilla, CLM

Weltsozialforum und Comboni-Forum

FSM y FC

Schlussbotschaft der Teilnehmer der Comboni-Familie am Weltsozialforum und am Comboni-Forum

„Widerstand leisten heißt Aufbauen, Widerstand leisten heißt Transformieren“

„Dienst und Vernetzung, Zusammenarbeit

innerhalb der Comboni-Familie und mit anderen Organisationen“

in Salvador da Bahia, Brasilien, vom 10. – 19. März 2018

FSM y FCWir, die Comboni Laien, Schwestern und Comboni-Missionare, die wir am Weltsozialforum (WSF) und am Comboni-Forum (FC) im brasilianischen Salvador da Bahia teilgenommen haben, grüßen alle mit einem Herzen voll Dankbarkeit und Hoffnung. Salvador ist der Ort des Widerstands und der Kultur der schwarzen Nachkommen aus Afrika. Vom 10. bis zum 19. März erlebten wir eine starke und zugleich einzigartige Erfahrung bei der Teilnahme am WSF, das zum Thema hatte: „Widerstand leisten heißt Aufbauen, Widerstand leisten heißt Transformieren“, und am 8. Comboni-Forum zum Thema: „Dienst und Vernetzung, Zusammenarbeit innerhalb der Comboni-Familie und mit anderen Organisationen“. Wir sind unseren beiden Generalleitungen dankbar, die uns eine ermutigende Botschaft schrieben und uns zum Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (GPIC) und zur Teilnahme am WSF ermutigten, als Ausdruck unseres gelebten Charismas in den Herausforderungen der Welt von heute.

Unsere Teilnahme war zahlreich und wirkungsvoll: wir waren insgesamt 53 Teilnehmer aus Afrika, Europa und Amerika. Wir erlebten den großen Reichtum unseres Charismas, das sich in einer Vielzahl von Einsätzen zeigt. Zum ersten Mal nahmen auch junge Menschen aus unseren Ausbildungshäusern (Scholastikat und Brüderzentrum) mit ihrem Leiter, daran teil. Wir danken auch für die Antworten von 4 Scholastikaten auf die Umfrage, die das Zentralkomitee ausgesandt hatte, um zu verstehen, inwieweit die Themen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung auch in der Ausbildung vorkommen. Wir wollen auch in Zukunft unsere jungen Menschen, die in der Ausbildung sind, und ihre Leiter, mit diesen Themen, wie mit der Dynamik des WSF und des FC vertraut machen.

Auf dem Weltsozialforum wurden vom Comboni-Network 4 Workshops zu folgenden Themen präsentiert: Landraub (landgrabbing), Abbau von Mineralien, die sozio-politische Situation im Kongo und im Südsudan und die Überwindung von Gewalt und Diskrimination gegenüber Geschlechtern. So konnten wir innerhalb des WSF durch unseren Einsatz als Missionare und Missionarinnen zeigen, dass eine andere Welt möglich ist. Wir hatten auch einen Stand, auf dem wir missionarische Bewusstseinsbildung machen und mit vielen Menschen ins Gespräch kommen konnten. Viele von uns besuchten auch zahlreiche Workshops, die auf dem WSF angeboten wurden, wie z. B. über neue Paradigmen, Theologie und Befreiung, Jugend, Widerstand der indigenen und afrikanisch stämmigen Völker und Migration. Während dem Forum nahmen wir auch an der Generalversammlung der Frauen teil. Das ganze Forum lief wie ein Fest ab, es wurde aber durch die Ermordung zweier Menschenrechtsaktivisten unterbrochen: Marielle Franco in Rio de Janeiro und Sérgio Paulo Almeida em Barcarena, Bundesstaat von Pará.

Das Comboni-Forum verlief in der Tradition der vorhergegangenen Treffen: der Tagesablauf wurde immer wieder durch inkulturierte Momente der Spiritualität aufgehellt, bei denen wir das Leben feierten, aber auch das Leid und die Hoffnung, in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit der Herkunftsländer und mit denen auf dem Forum Anwesenden. In unseren Überlegungen haben wir uns mit den neuen Paradigmen der Mission auseinandergesetzt. Wir wollen das in Zukunft verstärkt als Comboni-Familie leben und den Laien mehr Raum geben für ihre Mitarbeit. Bei diesen Überlegungen wurden wir vom Benediktiner Marcelo Barros begleitet, der uns über den aktuellen Stand der Theologie und Befreiung unterrichtete, und von Moema Miranda, die nach einer Analyse der Situation in der Welt, einige Lichter aufzeigte für unseren Weg, nach den Vorgaben von „Laudato Si“. Vor der Tatsache eines ungezügelten Neoliberalismus sind wir eingeladen, die Armen ins Gespräch unter sich zu bringen und den Glauben an die Gegenwart des Geistes zu festigen, der mit uns in der Geschichte unterwegs ist.

Hinterfragt von dem was wir leben, wollen wir folgendes:

  • Ein Buch veröffentlichen, das die Geschichte und die Hoffnung dieser 11 Jahre Comboni-Forum zusammenbringt und einige Wege in die Zukunft aufzeigt
  • Die Koordination vom Comboni Network erweitern, damit eine bessere Sensibilisierung und Bildung über die Themen von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (JPIC) erfolgen kann
  • Ein Comboni-Sozialforum auf kontinentaler Ebene veranstalten, auf dem die verschiedenen Wirklichkeiten, in denen wir stecken, ausgetauscht werden können
  • Einen finanziellen Fond bilden, der die Aktivitäten von JPIC unterstützt
  • Eine Internetplattform aufbauen, auf der Erfahrungen und Material zu JPIC ausgetauscht werden können.

Nach dieser Erfahrung ist es uns noch wichtiger geworden, uns zu treffen, damit eine größere Zusammenarbeit und Austausch als Comboni-Familie geschehen kann, auch mit Personen, die zwar in verschiedenen Umfeld tätig sind, aber im Einsatz für JPIC ein gemeinsames Ziel haben. Es geht darum, neue Wege des Dienstes und neue Paradigmen für die Mission zu finden.

Salvador da Bahia, 19. März 2019 Fest des hl. Josef