Mehr als Zusammenarbeit: unter Combonis Blick

Familia Comboniana“Das Ganze ist mehr als der Teil,

und es ist auch mehr als ihre einfache Summe”

 (EG 235).

Liebe Brüder, Schwestern und Comboni-Laienmissionare,

Die frohe und angenehme Begegnung hat uns motiviert, neue Wege der Zusammenarbeit zwischen den von Comboni gegründeten Instituten oder jenen, die sich von ihm inspirieren lassen, zu suchen.

Angesichts der trennenden Mauern, die in der Welt errichtet werden, der Vorurteile gegenüber Rassen, Sprachen und Nationen und der Schwierigkeiten vieler Menschen, dem „Fremden“ die Tür zu öffnen, spüren wir Jesu eindringliche Bitte: “damit sie eins sind und die Welt glaubt” (Joh 17,21). Wir werden eingeladen, nicht nur mit anderen zusammenzuarbeiten, sondern auch unsere Beziehungen zu vertiefen und neue Wege der Begegnung zu suchen, die nicht auf Charakter- oder Interessenähnlichkeit sondern auf dem Evangelium gründen. Jesus erwartet von uns, dass wir uns den anderen mit ihren Grenzen und Schwächen öffnen, aber auch ihren Gaben und ihrer Schönheit, damit unsere Missionsarbeit fruchtbarer und schöpferischer wird.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat es tiefe sozio-politische Umwälzungen gegeben, die uns herausfordern und drängen, neue Strukturen zu suchen, um unseren Missionbeitrag zeitgemäßer und wirkungsvoller zu leisten. Die Menschen wollen heute in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Das trifft nicht nur auf die Zivilgesellschaft zu, die Welle der demokratischen Werte hat auch die Kirche erfasst. Die Laien übernehmen immer mehr Dienstämter, die früher dem Klerus oder den Ordensleuten vorbehalten waren. Sie bringen ihre eigene Sichtweise von Mission ein, die eine tiefere Einsicht in die Wirklichkeit ermöglicht. Gemeinsam mit den Laien können wir in Bereiche vordringen, in denen wir als Comboni-Missionare willkommen sind.

Am 2. Juni 2017 sind die Generalleitungen der Comboni-Familie zu ihrem jährlichen Treffen zusammengekommen, um gemeinsam zu reflektieren, zu beten und sich auszutauschen. Dabei haben wir unseren Wunsch, intensiver zusammenzuarbeiten, bekräftigt und erneuert. Wir haben diesen Weg als Comboni-Familie bereits vor geraumer Zeit eingeschlagen, aber er muss immer wieder erneuert und vertieft werden.

Wir haben den Brief vom 17. März 2002 über die “Zusammenarbeit für die Mission” hervorgeholt, der anlässlich des Jahrtages der Seligsprechung von Comboni geschrieben wurde. Darin werden nicht nur der zurückgelegte Weg und die „konkreten Hinweise“, sondern besonders auch die evangelischen und combonianischen Grundlagen der Zusammenarbeit tiefgründig entwickelt. Jesu Geist ist nämlich der Geist der Einheit, den sich Comboni von allem Anfang an für seine Familie gewünscht hat, für „eine kleine Gemeinschaft von Aposteln…, die gemeinsam leuchten und wärmen” und auf diese Weise die Natur des Zentrums, aus dem sie kommen, offenbaren, nämlich das Herz des Guten Hirten (Schriften 2648).

Familia CombonianaBei unseren Überlegungen ist uns bewusst geworden, dass wir diesbezüglich bereits eine lange Wegstrecke zurückgelegt haben, und wir auch heute auf vielerlei Weise und in verschiedenen Situationen unserer Institute zusammenarbeiten. Wir denken an den Austausch zwischen den Generalsekretariaten und Büros und an die Teilnahme von Mitgliedern mehrerer Provinzen an Versammlungen, Besinnungstagen, Comboni-Feiern und Weiterbildungskursen. Es gibt auch schöne Beispiele von gemeinsamen Reflexionen und Pastoraleinsätzen an Orten, in denen Mitglieder unserer Institute und der Comboni-Laienmissionare wohnen.

Wir spüren zutiefst, dass der Wunsch, unserem Leben und unserer gemeinsamen Missionstätigkeit neuen Schwung zu geben, in der menschlichen Natur, im Wort Gottes und im Erbe, das uns unser Gründer Daniel Comboni hinterlassen hat, grundgelegt ist. Comboni wollte, dass die ganze Kirche sich wie ein einziger Körper der Evangelisierung Afrikas widmet: Außerdem würden die bereits existierenden Werke, die sich zum Ziel gesetzt haben, zu Gunsten der Schwarzen zu arbeiten, – es sind alles Werke Gottes – getrennt von einander nur wenige und unvollständige Erfolge haben. Wenn sie dagegen gemeinsam und alle das gleiche Ziel ins Auge fassen, nämlich den Glauben im inneren Afrikas fest zu verwurzeln, würden sie eine viel größere Wirkung erzielen, sich leichter entfalten und viel wirksamer das ersehnte Ziel erreichen“ (Schriften 1100). Verschiedentlich hat er zur Zusammenarbeit aufgerufen. Wenn wir uns sein Bespiel vergegenwärtigen, dann erstarkt in uns der Wunsch nach diesem Geist der Zusammenarbeit.

Wir sind uns bewusst, dass es auf diesem Weg auch Hindernisse gibt, die uns mutlos machen können: ungenügende menschliche und affektive Reife, Selbstbezogenheit, Protagonismus, Individualismus, mangelnde Identität und Teilung der finanziellen Mittel. Gleichzeitig fordern uns diese Tatsachen heraus, gemeinsam und mit Phantasie neue Formen der Zusammenarbeit zu suchen. Wir führen einige Vorteile an, die sich aus der Zusammenarbeit der Comboni-Institute ergeben: die der Zusammenarbeit eigene Ausstrahlung, die gegenseitige Ergänzung und Bereicherung, der Dienstcharakter, das Zeugnis, in Gemeinschaft mit Personen beiderlei Geschlechtes und verschiedener Nationalität und Kultur zu leben und zu arbeiten…  Auf diese Weise werden wir nicht nur Zeugen der Einheit in der Vielfalt, sondern werden Samen von neuen christlichen Gemeinden von Büdern und Schwestern und Zeugen des Wortes, das wir verkünden.

Wir haben ein großartiges, gemeinsames Charisma, das gewachsen ist und sich zur einer großen Vielfalt entwickelt hat. So schreitet Combonis Inspiration in der Geschichte voran, um für jede Generation Verkündigung des Evangeliums zu werden, wo Völker in Randgebieten leben. Das Charisma wächst und erneuet sich, sobald es mit anderen geteilt wird, die es dann mit der Eigenart ihrer christlichen Lebensweise bereichern. Die Verschiedenheit bedroht in keiner Weise die eigene Form der combonianischen Identität, sie stärkt vielmehr das Zugehörigkeitsgefühl, wenn sie in Einfachheit gelebt wird und dem anderen Spielraum lässt.

Wir erlauben uns, einige Aspekte aufzuzeigen, die nach unserer Einsicht eine schöpferische und mutige Anstrengung nötig haben, um die Zusammenarbeit auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene sowie auf der Ebene der Provinzen und der Generalleitung zu verbessern: man muss immer den Blick ausweiten, um ein größeres Gut zu erkennen, das uns allen Nutzen bringt” (EG 235).

Wir verpflichten uns:

  • die Geschichte unserer Istitute gründlicher zu studieren und dankbaren Herzens die Wundertaten Gottes in Erinnerung zu rufen;
  • die Personen und das Leben unserer Istitute kennenzulernen, uns über unser Sein und Handeln, über unsere pastoralen und missionarischen Projekte mit Hilfe der uns zur Verfügung stehenden Medien auszutauschen und uns zu freuen über das, was bereits geschieht.
  • gemeinsam uns mit der combonianischen Mission in der Welt von heute zu beschäftigen: neue Leitbilder von Mission, Dienstamt (durch spezifische pastorale Methoden) und kulturelle Vielfalt. Es geht nicht so sehr um Anworten auf die Probleme, als vielmehr innezuhalten und zu überlegen, um unseren Instituten Visionen anbieten zu können;
  • Dienende Gemeinschaften von Mitgliedern verschiedener Kogregationen (oder der Comboni-Familie) zu errichten, in denen gegenseitiges Vertrauen herrscht. Mit Blick auf die Zukunft, sich über die Beschaffenheit der Comboni-Familie Gedanken zu machen, um eine klareres Zeugnis für unsere Zusammenarbeit ablegen zu können.
  • bei der Ausbildung unserer Kandidaten/innen und ihrer Hinführung zum Charisma und zur combonianischen Spiritualität zusammenzuarbeiten und womöglich Kurse und Weiterbildungsinitiativen gemeinsam zu gestalten (das Thema ist bereits allen MCCJ Leitern der Ausbildungshäuser während ihrer Versammlung vom Juli 2017 in Maia, Portugal schriftlich mitgeteilt worden);
  • unsere combonianische Spiritualität zu vertiefen und Momente der Urteilsfindung und des Gebetes in besonderen Lebenssituationen unserer Institute zu fördern, und dabei auf das Wort Gottes zu hören und auf die Zeichen der Zeit zu achten;
  • den Notsituationen, die einen gemeinsamen Einsatz erfordern, zusammen mit anderen zu begegnen,

Im Rahmen des 150. Gründungsjahres unseres Instituts und des 25. Jahrtages der Gründung der Comboni-Laienmissionare fühlen wir uns vom Heiligen Geist angetrieben, uns um die Zusammenarbeit entschiedener zu  bemühen.

In der Hoffnung, dass einige der oben erwähnten Vorschläge mögliche Schritte hin zur Zusammenarbeit sein mögen, laden wir Euch ein, schöpferisch und großherzig zu sein, indem wir uns dem Heiligen Geist öffnen, der alles neu macht und uns ermutigt, mit Vertrauen weiterzumachen:  „Der Geist ist der Wind, der uns vorantreibt, der uns unterwegs sein lässt, uns als Pilger und Fremde fühlen lässt und uns nicht gestattet, es uns bequem zu machen und zu einem »sesshaften« Volk zu werden“ (Papst Franziskus, Generalaudienz, 31. Mai 2017).

Familia CombonianaRom, 10. Oktober 2017

 

Madre Luigia Coccia (Generaloberin)

Sr. Rosa Matilde Tellez Soto

Sr. Kudusan Debesai Tesfamicael

Sr. Eulália Capdevila Enríquez

Sr. Ida Colombo

 

Dalessandro Isabella (Generalverantwortliche)

Dal Zovo Maria Pia

Galli Mariella

Rodrigues Pascoal Adilia Maria

Ziliotto Lucia

 

Herr Alberto de la Portilla (Koordinator CLM Zentralausschuss)

 

Tesfaye Tadesse Gebresilasie (Geneneralobere)

Jeremias dos Santos Martins

Ciuciulla Pietro

Bustos Juárez Rogelio

Fr. Lamana Cónsola Alberto

 

 

 

 

 

 

 

Die deutsche Ausgabe der Schriften (Scritti) Combonis

Escritos Comboni en AlemánEs war eine schwere Geburt, aber es hat sich gelohnt. Manchmal kommt ein Kind als „Nachzügler“ auf die Welt, das dann manchmal sogar zum Lieblingskind aller wird.

Jetzt, pünktlich zum Festtag Combonis, am 10. Oktober 2017, ist auch die Ausgabe der Schriften und Briefe Daniel Combonis auf Deutsch erschienen. Sie wurde beim Missionarischen Symposium am 7. und 8. Oktober in Ellwangen allen Teilnehmern vorgestellt. Die Provinzoberen oder einzelne Mitbrüder, die ein Exemplar erhalten möchten, können sich an den Vize-Provinzial P. Anton Schneider wenden.

Es ist vielen zu danken, die unermüdlich an dieser Übersetzung gearbeitet haben: allen voran P. Georg Klose und P. Alois Eder, die alle Briefe in Deutsche übersetzt haben, und Frau Andrea Fuchs und P. Anton Schneider, die für die Endredaktion verantwortlich waren.

Es bleibt zu wünschen, dass diese Kraftanstrengung der DSP jetzt reiche Früchte trägt: dass uns durch das Lesen und Meditieren der Briefe Combonis, seine Figur wieder näher kommt und dadurch unsere Combonianische Identität gestärkt wird.

Escritos Comboni en Alemán

 

Im Bild, von links: P. Georg Klose, P. Alois Eder, und P. Karl Peinhopf, Provinzobere der Deutschsprachige Provinz (DSP).

comboni.org

Botschaft von Papst Franziskus zum Weltmissionssonntag 2017

PapaFrancisco

Die Mission im Herzen des christlichen Glaubens

 

Liebe Brüder und Schwestern,

auch dieses Jahr lädt uns der Sonntag der Weltmission dazu ein, uns um die Person Jesu zu versammeln, dem »allerersten und größten Künder des Evangeliums« (Paul VI., Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 7), der uns fortwährend aussendet, das Evangelium der Liebe des Vaters mit der Kraft des Heiligen Geistes zu verkünden. Dieser Tag lädt uns ein, erneut über die Mission im Herzen des christlichen Glaubens nachzudenken. Denn die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch; wäre sie dies nicht, dann wäre sie nicht mehr die Kirche Christi, sondern ein Verein unter vielen anderen, der sein Ziel bald erreicht hätte und dann verschwinden würde. Deshalb sollten wir uns einige Fragen stellen, die unsere christliche Identität betreffen und unsere Verantwortung als Glaubende in einer durch zahlreiche Illusionen verwirrten Welt, die durch große Unzufriedenheit verwundet und von vielen Bruderkriegen zerrissen ist, die ungerechterweise vor allem Unschuldige treffen. Was sind die Grundlagen der Mission? Was ist das Herz der Mission? Welches sind die für die Mission lebensnotwendigen Haltungen?

Die Mission und die verwandelnde Kraft des Evangeliums Christi, Weg, Wahrheit und Leben

1. Die Mission der Kirche, die sich an alle Menschen guten Willens richtet, gründet auf der verwandelnden Kraft des Evangeliums. Das Evangelium ist eine Frohe Botschaft, die eine ansteckende Freude in sich trägt, weil sie das neue Leben enthält und schenkt: das Leben des auferstandenen Christus, der seinen lebensspendenden Geist mitteilt und so für uns Weg, Wahrheit und Leben wird (vgl. Joh 14,6). Er ist der Weg, dem wir voller Zuversicht und Mut folgen sollen. Wenn wir Jesus, unserem Weg folgen, erfahren wir die Wahrheit und empfangen sein Leben, das die volle Gemeinschaft mit dem Vater in der Kraft des Heiligen Geistes ist. Dies befreit uns von jeder Form des Egoismus und ist Quelle der Kreativität in der Liebe.

2. Gott Vater will diese existentielle Verwandlung seiner Söhne und Töchter. Diese Verwandlung drückt sich dadurch aus, dass sie ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten (vgl. Joh 4,23-24), in einem Leben, das vom Heiligen Geist beseelt ist, in der Nachfolge des Sohnes Jesus zu Ehren des Vaters. »Die Herrlichkeit Gottes ist der lebendige Mensch« (Irenäus, Adversus haereses IV, 20, 7). Auf diese Weise wird die Verkündigung des Evangeliums lebendiges und wirksames Wort, das in die Tat umsetzt, was es verkündet (vgl. Jes 55,10-11), also Jesus Christus, der fortwährend Fleisch in jeder menschlichen Situation annimmt (vgl. Joh 1,14).

Die Mission und der kairos Christi

3. Bei der Mission der Kirche geht es also nicht um die Verbreitung einer religiösen Ideologie und auch nicht um Empfehlung einer auserlesenen Ethik. Viele Bewegungen in aller Welt bringen hohe Ideale und beachtliche ethische Ausdrucksformen hervor. Durch die Mission der Kirche verkündet und wirkt Jesus fortwährend und damit ist sie der kairos, also der günstige Zeitpunkt für das Heil in der Geschichte. Durch die Verkündigung des Evangeliums wird Jesus immer wieder zu unserem Zeitgenossen, damit diejenigen, die ihn mit Glauben und Liebe aufnehmen, die verwandelnde Kraft des Geistes des Auferstandenen erfahren, der die die Menschheit und die Schöpfung fruchtbar macht wie der Regen die Erde. »Seine Auferstehung gehört nicht der Vergangenheit an; sie beinhaltet eine Lebenskraft, die die Welt durchdrungen hat. Wo alles tot zu sein scheint, sprießen wieder überall Anzeichen der Auferstehung hervor. Es ist eine unvergleichliche Kraft.« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 276).

4. Wir sollten uns stets daran erinnern, dass »am Anfang des Christseins nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee [steht], sondern die Begegnung mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen neuen Horizont und damit seine entscheidende Richtung gibt« (Benedikt XVI., Enzyklika Deus caritas est, 1). Das Evangelium ist eine Person, die sich uns fortwährend schenkt und diejenigen, die sie mit demütigem und tätigem Glauben aufnehmen, immer wieder einlädt, das Leben durch eine wirkliche Teilhabe am österlichen Geheimnis des Todes und der Auferstehung weiterzugeben. Das Evangelium wird auf diese Weise, durch die Taufe, Quelle neuen Lebens, frei von der Herrschaft der Sünde, erleuchtet und verwandelt vom Heiligen Geist; durch die Firmung wird es stärkende Salbung, die uns durch denselben Geist neue Wege und Strategien des Zeugnisses und der Nähe aufzeigt; und durch die Eucharistie wird es zum Brot des neuen Menschen und »Medizin der Unsterblichkeit« (Ignatius von Antiochien, Brief an die Epheser, 20, 2).

5. Die Welt ist grundlegend auf das Evangelium Jesu Christi angewiesen. Durch seine Kirche führt er auch heute seine Mission als Barmherziger Samariter fort, indem er die blutenden Wunden der Menschheit heilt. Er wirkt weiter als Guter Hirte, der ohne Unterlass nach denjenigen sucht, die sich auf gewundenen und ziellosen Pfaden verirrt haben. Und, Gott sei Dank, fehlt es nicht an vielen bedeutenden Erfahrungen, die die verwandelnde Kraft des Evangeliums bezeugen. Ich denke an einen Studenten aus dem Volk der Dinka, der sein Leben aufs Spiel setzte, um einen Studenten aus dem Stamm der Nuer zu retten, der getötet werden sollte. Ich denke an jene Eucharistiefeier in Kitgum im Norden Ugandas, einer damals blutgetränkten Region aufgrund der Grausamkeit einer Gruppe von Rebellen. Dort ließ ein Missionar die Gläubigen die Worte Jesu am Kreuz wiederholen: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?», als Ausdruck des verzweifelten Schreis von Brüdern und Schwestern des gekreuzigten Herrn. Dieser Gottesdienst war für die Menschen eine Quelle großen Trostes und viel Mutes. Und wir können an viele, unzählige Zeugnisse denken, wie das Evangelium hilft, Abschottung, Konflikte, Rassismus und Tribalismus zu überwinden, indem es überall und unter allen Aussöhnung, Brüderlichkeit und Anteilnahme fördert.

Die Mission regt eine Spiritualität des beständigen Hinausgehens, des Pilgerns und des Exils an

6. Die Mission der Kirche ist beseelt von einer Spiritualität des beständigen Hinausgehens. Es geht darum, »hinauszugehen aus der eigenen Bequemlichkeit und den Mut zu haben, alle Randgebiete zu erreichen, die das Licht des Evangeliums brauchen« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 20). Die Mission der Kirche erfordert eine Bereitschaft zum fortwährenden Pilgern durch die verschiedenen Wüsten des Lebens, durch die verschiedenen Formen des Hungers und des Durstes nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Die Mission der Kirche erfordert ein fortwährendes Exil, damit der Mensch, der nach dem Unendlichen dürstet, fühlt, dass er sich als Wanderer auf dem Weg zur letzten Heimat befindet, zwischen dem „schon“ und dem „noch nicht“ des Himmelreichs.

7. Die Mission sagt der Kirche, dass sie nicht Selbstzweck ist, sondern ein bescheidenes Werkzeug und Bindeglied des Reiches Gottes. Eine selbstbezogene Kirche, die sich über irdische Erfolge freut, ist nicht die Kirche Christi, sein gekreuzigter und verherrlichter Leib. Deshalb sollte uns eine „verbeulte Kirche“ lieber sein, »die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist« als »eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist« (ebd., 49).

Die Jugendlichen, Hoffnung der Mission

8. Junge Menschen sind die Hoffnung der Mission. Die Person Jesu und die Frohe Botschaft, die er verkündet, faszinieren auch heute viele Jugendliche. Sie suchen nach Wegen, auf denen sie den Mut und die Impulse des Herzens im Dienst der Menschheit verwirklichen können. Es gibt»viele Jugendliche, die angesichts der Leiden in der Welt ihre solidarische Hilfe leisten und verschiedene Formen von Aktivität und Volontariat ergreifen. […]. Wie schön, wenn die Jugendlichen „Weggefährten des Glaubens“ sind, glücklich, Jesus auf jede Straße, auf jeden Platz, in jeden Winkel der Erde zu bringen!« (ebd., 106). Die nächste ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode steht 2018 unter dem Motto „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung” und stellt eine willkommene Gelegenheit dar, um junge Menschen für die gemeinsame missionarische Verantwortung zu begeistern, die ihre großes Vorstellungsvermögen und ihre Kreativität braucht.

Der Dienst der Päpstlichen Missionswerke

9. Die Päpstlichen Missionswerke sind ein wertvolles Instrument, wenn es darum geht, in allen christlichen Gemeinden den Wunsch zu wecken, die eigenen Grenzen und die eigenen Sicherheiten zu überschreiten und aufzubrechen, um allen Menschen das Evangelium zu verkünden. Durch eine im Alltag verwurzelte tiefe missionarische Spiritualität und einen fortwährenden missionarischen Bildungs- und Gestaltungseinsatz werden Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Familien, Priester und Ordensleute dazu angeregt, sich dafür einzusetzen, dass das Herz aller für die Mission schlägt. Der Sonntag der Weltmission, den das Werk für die Glaubensverbreitung veranstaltet, ist eine günstige Gelegenheit, damit das missionarische Herz aller christlichen Gemeinden durch das Gebet, durch das Lebenszeugnis und durch die Gütergemeinschaft den schwerwiegenden und großen Erfordernissen der Evangelisierung nachkommt.

Mission mit Maria, der Mutter der Evangelisierung, machen

10. Liebe Brüder und Schwestern, unsere Mission inspiriert sich an Maria, der Mutter der Evangelisierung. Sie nahm, vom Geist bewegt, das Wort des Lebens in die Tiefe ihres demütigen Glaubens auf. Die Jungfrau möge uns helfen, “Ja” zu sagen, angesichts der Dringlichkeit, die Frohbotschaft Jesu in unserer heutigen Zeit wieder aufklingen zu lassen. Sie erwirke uns eine neue Leidenschaft von Erweckten, damit wir das Evangelium des Lebens, das den Tod besiegt, zu allen Menschen bringen. Auf ihre Fürsprache möge uns der heilige Freimut erfüllen, mit dem wir neue Wege suchen, damit das Geschenk der Erlösung zu allen gelange.

Aus dem Vatikan, am Pfingstfest, dem 4. Juni 2017

FRANZISKUS

 

Sich auf die Mission besinnen und davon erzählen

P.-Mariano-Tibaldo Oft habe ich mich gefragt – schreibt P. Mariano Tibaldo (im Bild) –, in wieweit die Missionserfahrung mein Verhalten zu den anderen und zu den Dingen dieser Welt, sowie meine Beziehung zu Gott und zu meinem eigenen Missionsberuf geprägt haben mag. Mit anderen Worten, was hat bis heute mein Leben geformt; wie haben mich Begegnungen mit Menschen anderer Kulturen und verschiedener Sensibilität verändert; wie hat mich das Gemeinschaftsleben mit Mitbrüdern, die von positiven aber auch schwierigen Erfahrungen gezeichnet sind, mitgestaltet; wie haben bedeutungsvolle aber auch dramatische Situationen meine missionarische Sensibilität geschärft.

Mein Missionsleben ‘erzählen’ heißt nicht nur, missionarische Fakten und Probleme wiedergeben (und schon gar nicht ‘missionarische Sichtweisen’ auftischen, die vielleicht den Verstand interessieren, aber nicht das Herz). Die Mission erzählen heißt, die grundlegenden Elemente ‚in Erinnerung rufen’, die das Leben geprägt haben (im weitesten Sinn des Wortes, nämlich Ereignisse, die auf andere Realitäten hinweisen, durch die man von der unsichtbaren Hand Gottes liebevoll berührt worden ist), und Teil der persönlichen Geschichte und Identität geworden sind.

Das ‘Erzählen’ nimmt dann eine performative Dimension an (performativ: im Augenblick des Sprechens wird eine Aussage „Wirklichkeit“, Anmerkung des Übersetzers), denn dadurch, dass es eine Veränderung bezeugt, die Verstand, Herz und Wille interessiert, nimmt es andere in den eigenen missionarischen Weg herein.

Das Erzählen ist im Grunde nichts anderes als Zeugnis von einer Begegnung zu geben, die geheimnisvoll in der Geschichte geschieht, und die Richtung angibt. Die Mission entsteht aus der Begegnung mit der Liebe Gottes.

Papst Franziskus schreibt in seiner Enzyklika Evangelii Gaudium (EG): „Allein dank dieser Begegnung – oder Wiederbegegnung – mit der Liebe Gottes, die zu einer glücklichen Freundschaft wird, werden wir von unserer abgeschotteten Geisteshaltung und aus unserer Selbstbezogenheit erlöst. Unser volles Menschsein erreichen wir, wenn wir mehr als nur menschlich sind, wenn wir Gott erlauben, uns über uns selbst hinaus zu führen, damit wir zu unserem eigentlicheren Sein gelangen. Dort liegt die Quelle der Evangelisierung. Wenn nämlich jemand diese Liebe angenommen hat, die ihm den Sinn des Lebens zurückgibt, wie kann er dann den Wunsch zurückhalten, sie den anderen mitzuteilen?“ (EG 8).

Die 150 Lebensjahre des Instituts in Erinnerung rufen heißt, konstituierende und grundlegende Ereignisse feiern, jenen “Felsen, aus dem wir gehauen sind”, die aus uns das gemacht haben, was wir heute sind, und in denen wir die liebevolle Hand Gottes wahrnehmen. Es heißt aber auch, jene Personen ins Gedächtnis zu rufen, die die Werte mit Leidenschaft und voller Selbsthingabe gelebt haben. Ich wähle drei Ereignisse aus, die nach meiner Ansicht in unserem Leben und in der Erfüllung unserer Mission besonders bedeutungsvoll geworden sind, da sie Dauerhaftes, Haltungen und grundlegende Dimensionen ausdrücken.

  1. Combonis Tod als beispielhaftes Ereignis seines Lebens

Ich gestehe, dass mich Combonis leidenschaftliche Hingabe für Afrika immer fasziniert hat. Er war wie die Flamme einer Kerze, die langsam herunterbrennt. Wer erinnert sich nicht an jene Fotografie mit ergrautem Bart und leidgeprüftem Gesicht, die gegen Ende seines Lebens gemacht wurde? Aber auch sein Tod und die anschließenden Ereignisse haben mich immer als sinnbildliche Events seines Lebens beeindruckt. Comboni starb, als sich am Horizont die dunklen Wolken des Mahdi Aufstandes zu bilden begannen, der die Sudan Missionen hinwegfegen würde. Wenige Tage vor seinem Tod schrieb er an P. Sembianti folgende Worte: „Ich bin glücklich im Kreuz, das, wenn es aus Liebe zu Gott gerne getragen wird, den Sieg bringt und das ewige Leben“.

Rein menschlich gesehen, schienen jene Worte der Wirklichkeit zu widersprechen, zumindest was den Triumpf der Mission betraf. Wer konnte besser als er selbst das unglaubliche Ausmaß der Mission und auch die Knappheit der Kräfte ermessen? Eine Erbschaft, die der Missionar Johann Dichtl, der Comboni in den letzten Stunden beigestanden war, entgegengenommen hatte, aber noch zu jung war, um jene übermenschliche Mission weiterzuführen; ein Erbgut, das zudem bald nach dem Ausbruch des Mahdi Aufstands verlorenzugehen schien.

Comboni wurde im Garten der Mission neben dem ersten apostolischen Provikar P. Maximilian Ryllo SJ beigesetzt. Nach dem Ende des Mahdi Aufstandes besuchte Mons. Roveggio 1901 den Missionsfriedhof von Khartum, um ihre Überreste zu bergen. „[…] man ist zu den Gräbern von P. Ryllo und Mons. Comboni in den Missionsgarten von Khartum zurückgekehrt, – schreibt Domenico Agasso in seiner Comboni-Biographie. Das erste Grab war unberührt […]. Im zerstörten Grab von Comboni fand man nur einige mit Erde vermischte Knochenreste. […]. Wenige Überreste […]: der Körper des Apostolischen Vikars ist zum großen Teil an Ort und Stelle geblieben, vermischt mit jener Erde. Vorbehaltlose Hingabe […] Comboni und Afrika sind eins geworden[1].

Eine bewegende Szene, die noch deutlicher als Worte die innere Leidenschaft Combonis ausdrückt, im Leben und im Tod Afrika zu gehören. Ein zutiefst symbolisches Geschehen: Combonis Körper, ‘vermischt’ mit jener Erde, scheint sie zu befruchten. Er gehört Afrika über den Tod hinaus. Sieht man von den Gefühlen ab, könnte man, rein menschlich gesprochen, den großen Traum Combonis für gescheitert betrachten – so wie andere Unternehmen vor ihm.

Die Worte von Papst Franziskus in Evangelii Gaudium, mit denen er ein grundlegendes Prinzip für den Aufbau einer neuen Gesellschaft formuliert, sind sehr einleuchtend. Er sagt, dass die Zeit mehr wert ist als der Raum. „Der Zeit Vorrang zu geben bedeutet, sich damit zu befassen, Prozesse in Gang zu setzen, anstatt Räume zu besitzen. Die Zeit bestimmt die Räume, macht sie hell und verwandelt sie in Glieder einer sich stetig ausdehnenden Kette, ohne Rückschritt. Es geht darum, Handlungen zu fördern, die eine neue Dynamik in der Gesellschaft erzeugen und Menschen sowie Gruppen einzubeziehen, welche diese vorantreiben, auf dass sie bei wichtigen historischen Ereignissen Frucht bringt. Dies geschehe ohne Ängstlichkeit, sondern mit klaren Überzeugungen und mit Entschlossenheit“.

Und weiter schreibt der Papst: „Dieses Kriterium lässt sich auch gut auf die Evangelisierung anwenden, die uns dazu aufruft, den größeren Horizont im Auge zu behalten und die geeigneten Prozesse mit langem Atem anzugehen“ EG 223 und 225).

Leben und Sterben von Comboni können wir als eine ‘Leben erzeugende Aktion‘ eines Veränderungsprozesses mit Hilfe von wenigen Personen betrachten, die den Traum weiterverfolgen. ‘Leben erzeugende Aktionen‘ sind also ein Kriterium für eine Missionsmethode und die Missionarische Bewusstseinsbildung, die, auch wenn sie scheinbar unbedeutend sind, eine Veränderung in Bewegung setzen, der sich Personen anschließen, die dann ihrerseits zu Veränderungen beitragen. Beispiele dafür gibt es genug in unserer Geschichte. Ich erwähne kurz Br. Michele Sergi und seinen ‘Klub’ von Khartum, der für viele Jugendliche zu einem Ort der Begegnung und Fortbildung wurde. Ohne große Ansprüche zu stellen, wurden viele von ihnen, die durch seine Schule gingen, zu Glaubensboten in jenen Gebieten Südsudans, die die Missionare noch nicht erreicht hatten.

  1. P.-Mariano-TibaldoNach dem Mahdi Aufstand

Der Orkan des Mahdi Aufstands war gleich nach dem allzu frühen Tod von Comboni über unsere Missionen hereingebrochen. Die Zentralafrikanische Mission wurde hinweggefegt, das Missionspersonal floh nach Ägypten oder geriet in Gefangenschaft. Für die Letzteren begann ein langer Kreuzweg voll von Demütigungen.

Nach zwanzig Jahren kehrten die Missionare nach Khartum zurück und machten sich in den Süden auf, um neue Missionen zu gründen: 0hne Beziehungspunkt und Erfahrung, ohne Anweisungen für die Missionspastoral. Nach seinen ersten Erfahrungen im Sudan umschreibt P. Antonio Vignato die Lage so: “Die arge Verspätung unserer katechetischen Organisation muss man auch unserer Unerfahrenheit zuschreiben, eine Mission zu organisieren; niemand von uns hatte die Möglichkeit gehabt, die Arbeit anderer Missionare zu beobachten, und äußerst wenig hatte man von den Erfahrungen anderer gelesen. Den einzigen Anschauungsunterricht hatten wir in der Kolonie von Gesirah  […] und in den Schulen von Helouan, Suakim und ähnlichen erhalten[2]. Man muss von vorne anfangen trotz der immensen Schwierigkeiten und den vielen Hindernissen.

Alles verlieren und neu anfangen, den Traum Combonis wiederbeleben – oder ihn lebendig erhalten inmitten von Schicksalsschlägen, die viele von uns erlebt haben – wird wie ein Refrain wiederholt, der uns von allem Anfang an begleitet hat. Als ob uns der Herr durch diese und andere schmerzlichen Erfahrungen zum Wesentlichen der Mission hingeführt hätte. Ich denke an die Zerstörungen des Krieges in Uganda, als ich noch Scholastiker war; an die zerstörten Missionen von Maracha, Koboko und anderer; ich erinnere mich an die Mission von Otumbari, die die Missionare auf Anordnung des Bischofs wegen der Guerillakämpfe verlassen mussten; ich denke an den Schmerz von P. Bernardo Sartori, als er den Befehl erhielt, die Mission zu räumen, obwohl er von der Notwendigkeit nicht überzeugt war, aber sein Haupt im Gehorsam beugte. Ich denke auch an jene Mitbrüder, die an der Seite des Volkes trotz Krieg und Gewalt ausharren und die Flüchtlinge begleiten. Von vorne anfangen; unnachgiebig; den Traum Combonis, der Jesu Traum ist, am Leben erhalten, oder ihn wieder aufleben lassen, wenn alles verloren zu sein scheint; den schmerzhaften Prozess der Kenosis erleiden, was Teilnahme an Jesu Kenosis ist, dort wo die Arbeit von Jahren zerstört und vernichtet worden ist. Solche Erfahrungen können durch einen vom Geist geleiteten Prozess der Entscheidungsfindung zum Kairòs werden, zu einer unerwarteten Gelegenheit zu wachsen und sich zu verändern.

Das ist ein Aufruf, sich von kurzlebigen Sicherheiten und von klug ausgedachten Plänen und Methoden zu verabschieden, sollten sie nur die Frucht von „Ehrgeiz“ sein. „Wie oft erträumen wir peinlich genaue und gut entworfene apostolische Expansionsprojekte, typisch für besiegte Generäle! So verleugnen wir unsere Kirchengeschichte, die ruhmreich ist, insofern sie eine Geschichte  der Opfer, der Hoffnung, des täglichen Ringens, des im Dienst aufgeriebenen Lebens, der Beständigkeit in mühevoller Arbeit geschieht, ‘im Schweiß unseres Angesichts’ (EG 96). Auf diese Weise werden Schicksalsschläge, Niederlagen, Verluste, Aufgabe unserer weltlichen Sicherheiten eine Einladung zur Umkehr, verwandeln sich in grundlegende Events, um zu den Wurzeln unserer Identität und unserer Mission zurückzufinden.

Mit wenigen Worten zeigt Evangelii Gaudium die Dimensionen einer Gemeinschaft ‚im Aufbruch‘ und das Wesentliche der Mission auf. Papst Franziskus spricht von einer Gemeinschaft, die die Initiative ergreift, die die weit entfernten Menschen aufsucht, an die Wegkreuzungen geht und die Ausgeschlossenen einlädt: Das entspricht unserer Tradition, zu den ‚Ärmsten und am meisten Verlassenen‘ zu gehen. Unter diesem Gesichtspunkt behält die Formel ad gentes weiterhin ihre Gültigkeit. Franziskus spricht auch von einer Gemeinschaft, die sich einbringt und „das menschliche Leben annimmt, indem sie im Volk mit dem leidenden Leib Christi in Berührung kommt“, das Echo jenes ‘gemeinsame Sache mit den Leuten machen’, das zur Missionsmethode der Comboni-Missionare gehört.

Mission ist, den Leib des leidenden Bruders berühren – in seiner menschlichen, sozialen und kulturellen Situation – und ich lade ein, „nicht in der reinen Idee verhaftet zu bleiben und in Formen von Innerlichkeitskult und Gnostizismus zu verfallen, die keine Frucht bringen“, sondern versuchen, „das Kriterium der Wirklichkeit zu sein – eines Wortes, das bereits Fleisch angenommen hat und stets versucht, sich zu inkarnieren“, nach dem Kriterium, „dass die Wirklichkeit über der Idee steht“ (EG 233). Franziskus fügt weitere missionarische Dimensionen hinzu: „die Menschheit in all ihren Vorgängen, so hart und langwierig sie auch sein mögen“, zu begleiten; die Begleitung „kennt das lange Warten und die apostolische Ausdauer. Die Evangelisierung hat viel Geduld und vermeidet, die Grenzen nicht zu berücksichtigen“.

Unterstreicht ‚Afrika durch Afrika retten‘ nicht etwa den Prozess, unaufdringliche Weggefährten zu werden, damit das Volk zum Protagonisten seiner eigenen Geschichte wird? Und schließlich die Kriterien von befruchten und feiern, „damit das Wort Gottes in einer konkreten Situation Gestalt annimmt und Früchte neuen Lebens trägt“ und „jeden kleinen Sieg, jeden Schritt vorwärts in der Evangelisierung preisen und feiern kann (EG 24).

Zum Wesentlichen der Mission zurückkehren bedeutet, die Gemeinschaft als Handelnde zu entdecken, die evangelisiert, Initiativen ergreift, teilnimmt, begleitet, Früchte trägt und feiert, weil nach den Worten der Enzyklika „die Gemeinschaft eine Verbundenheit auf dem Weg ist, und die Gemeinschaft sich wesentlich als missionarische Communio darstellt“, die vom Geist Jesu beseelt ist (EG 23). Ich füge hinzu, dass die Gemeinschaft jene Verbundenheit auf dem Weg ist, die, während sie evangelisiert, selbst evangelisiert wird; während sie unterrichtet, dazulernt; während sie Subjekt der Mission ist, selbst zum Objekt wird und sich gegenseitig durch Schenken und Empfangen bereichert.

  1. Teilung und Wiedervereinigung

Die Ereignisse der Teilung und der Wiedervereinigung der Kongregation in Erinnerung zu rufen, wenn auch nur in groben Zügen, wirkt sich nach meiner Meinung nicht nur positiv auf unsere gemeinsame Zugehörigkeit aus, sondern auch auf die Art und Weise, unsere Mission zu leben.

Die Teilung der Kongregation im Jahre 1923 hatte eine “tiefe Wunde” aufgerissen, schreibt P. Romeo Ballan in der Beilage zu Familia Comboniana vom April 2017 und zitiert dabei P. T. Agostoni und P. F. Pierli. Die Gründe für die Teilung schienen schwerer zu wiegen als die für die Einheit: unterschiedliche Ausbildung und Missionsmethode, überhitzter Nationalismus, völliges Ausschalten des Dialogs von Seiten der Führungsspitze, der man „die Zweiteilung des einen von Comboni gegründeten Körpers in die Schuhe schob[3], wie sich das Bollettino von 1972 ausdrückte. Viele Comboni-Missionare haben die Teilung als schmerzlich empfunden und “sie nie wirklich voll akzeptiert – unterstrich derselbe Artikel – im Gegenteil, für so manchen ist sie zu einer Gewissenfrage geworden [4].

Die Sehnsucht nach der Wiedervereinigung ist nie erloschen, denn „die Comboni-Gruppe ist ihrer eigenen Berufung immer treu geblieben: von daher kommt die von Comboni grundgelegte und fruchtbringende Unruhe[5]. Diese Unruhe hilft, gegenseitige Abkapselung zu überwinden und Vorurteile abzubauen. Sie festigt das Bewusstsein, dass Comboni unser gemeinsamer Gründer und die Mission der Existenzgrund „des einen in der Mission geborenen[6] Comboni-Instituts ist, und ruft eine Reihe von Initiativen hervor. Diese Unruhe führt zur Tat und wird konkrete Geschichte von informellem Meinungsaustausch, Forschungsarbeit, Zusammenarbeit in der Mission, von praktischen Schritten zu gemeinsamer Ausbildung in Spanien und zum Einsatz von Personen, die an die Wiedervereinigung geglaubt haben wie die P. A. Riedl und P. E. Farè.

Die Unruhe wird konkrete Geschichte von Überlegungen der Generalkapitel der beiden Institute, von der Arbeit der Reunion Study Commission und bis herauf zum Kapitel von 1979, das die Wiedervereinigung formell sanktioniert. Die Wiedervereinigung, die nichts anderes als ein formeller und juristischer Akt war, ist durch echten Dialog, gegenseitiges Sich-Annehmen und ehrliches Geradestehen für die eigenen Verfehlungen und durch das Bewusstsein der identischen, gemeinsamen Wurzeln vorbereitet worden, um die Einheit wiederherzustellen. Ich glaube, dass diese Sehnsucht nach der Wiedervereinigung und der Prozess, der sie in Bewegung gesetzt hat, Gründungselemente unserer Identität sind, besonders für unsere Zeit, in der die Kongregation eine ausgeprägte kulturelle Vielfalt annimmt. Wir sind ein Institut, das auf Wiederversöhnung und auf gegenseitiger An- und Aufnahme aufgebaut ist, und gesandt wird, in Frieden lebende Gemeinden zu errichten: Vergebung, Dialog, Versöhnung, Annahme des Nächten gehören zu unserer missionarischen Identität.

Ich finde die Worte in Evangelii Gaudium über die Art und Weise, den unausweichlichen Konflikten zu begegnen, die in einer Gemeinschaft entstehen können, sehr treffend. „Den Konflikt – sagt der Papst – soll man nicht ignorieren, noch weniger sein Gefangener werden oder die eigene “Konfusion und Unzufriedenheit” auf andere projizieren. Man soll den Konflikt erleiden, ihn lösen und zum Ausgangspunkt eines neuen Prozesses machen“ (EG 227). “

Auf diese Weise wird es möglich sein, dass sich aus dem Streit eine Gemeinschaft entwickelt. Das kann aber nur durch die großen Persönlichkeiten geschehen, die sich aufschwingen, über die Ebene des Konflikts hinauszugehen, und den anderen in seiner tiefgründigen Würde zu sehen. Dazu ist es notwendig, sich auf ein Prinzip zu berufen, das zum Aufbau einer sozialen Freundschaft unabdingbar ist, und dieses lautet: die Einheit steht über dem Konflikt(EG 228).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Versuch, einen Konflikt anzugehen, die bedingungslose Annahme des anderen voraussetzt, und im Licht der eigenen charismatischen und missionarischen Identität geschehen muss. Auf diese Weise werden die Unterschiede, oft Auslöser von Konflikten, das Wohl der Mission fördern. Mit Hilfe dieser erlittenen, gelösten und aufgearbeiteten Konflikte können Gemeinschaften kultureller Vielfalt entstehen und die Gemeinschaft selbst zum Zeichen und Merkmal von Versöhnung und Dialog werden.  

P.-Mariano-Tibaldo

  1. Abschließend: problematische Knotenpunkte

Ich möchte noch auf einige Fragen eingehen, die nach meiner Ansicht im ersten Viertel unseres Jahrhunderts von besonderer Bedeutung sind, ohne mir aber anmaßen zu wollen, Lösungen parat zu haben. Sie sollten vielmehr zu weiteren Überlegungen anregen.

Wie schon oben erwähnt, schließen sich unserer Kongregation Mitbrüder aus dem Süden an, die aus anderen Kulturkreisen kommen, und bereits Führungspositionen einnehmen. Die Präsenz dieser Mitbrüder verändert nicht nur das Zahlengefüge der Kongregation, sondern bringt auch eine neue Art mit sich, das Ordens- und Gemeinschaftsleben und die Mission zu betrachten. Dialogbereitschaft und aufmerksames Hinhören auf die Beweggründe des anderen sind heute unerlässlich. Denn die kulturellen Unterschiede werden immer sichtbarer und bewährte Weisen Probleme zu lösen, werden immer mehr in Frage gestellt.

Ich denke besonders an das Problem der comunità d’inserzione radicale. Nach allgemeinem Verständnis und gemeinsamer Praxis geht es dabei um die Armut in der Lebensgestaltung, indem man sich auf die Ebene der Armen begibt und sich einfacher Strukturen bedient. Ich frage mich, ob Mitbrüder, die nicht aus Kulturen der westlichen Welt kommen, ein anderes Verständnis haben von Armut, von einem Leben in Armut, mit den anderen in Armut zu leben; ob sie, ganz allgemein gesprochen, eine andere Sensibilität für ‚radikale‘ Armut mitbringen. Ich kann mit keinen Lösungen aufwarten, möchte aber diese Frage aufwerfen. Ich glaube aber, dass das Bemühen, uns gegenseitig zuzuhören, besonders was mündliche und nicht mündliche Botschaften angeht, uns helfen kann, eine Gemeinschaft der Unterschiede (comunità delle differenze) aufzubauen. Das wäre ein erster Schritt auf dem Weg, Gemeinschaften kultureller Vielfalt zu errichten.

Ein anderes Problem betrifft die Vorläufigkeit und die Übergabe von Aufgaben (besonders von Pfarreien), sobald diese eine gewisse finanzielle, pastorale und missionarische Selbständigkeit erreicht haben (LF 70). Ich erwähne, ganz nebenbei und ohne Polemik, dass auch noch nicht selbstgenügsame Einsätze, die unsere Präsenz weiterhin nötig gehabt hätten, wegen Personalmangel dem Bischof übergeben wurden.

Die Ideale der Lebensform kollidieren oft mit den Möglichkeiten der Geschichte. Das Problem, selbständige und finanziell gut dastehende Pfarreien zu übergeben, wird jetzt besonders akut, da die radikal zu einer sogenannten „Missionsprovinz“ gehörenden Mitbrüder zahlenmäßig zunehmen und, was recht und billig ist, mit ihrer Leitung betraut werden. Die Autonomie der Provinzen, besonders was der finanzielle Unterhalt ihrer radikalen Mitglieder betrifft, ist ein ernstzunehmendes Problem, dem sich viele Provinzen stellen und nach entsprechenden Lösungen suchen müssen. Aus dieser Sicht und im Licht der neuen geschichtlichen Gegebenheiten müssen Aussagen und Ansichten, die wir als selbstverständlich betrachteten, neu überdacht werden. Wenn ich an meine Erfahrungen als Provinzoberer denke, dann kommen mir die Zweifel und die Ratlosigkeit der radikal zur Provinz gehörenden Mitbrüder in den Sinn, wenn es darum ging, eine finanziell blühende Pfarrei dem Bischof zu übergeben.

Ein dritter problematischer Knoten: Die Mission mitsamt ihrem Kontext und die juristische Gliederung der Kongregation in Provinzen und Delegationen passen sich fast durchwegs den nationalen Grenzen an. Viele „missionarische Situationen“ wie die der Hirtenvölker Westafrikas, der afrikanischen Nachkommen Amerikas, der indigenen Völker von Lateinamerika, aber auch die Probleme der Randgebiete der großen Städte sprengen politische Grenzen und unsere Jurisdiktionsbereiche. In solchen Fällen spricht man in der Kongregation von ‚kontinentalen Einsätzen‘. Ich frage mich, ob wir nicht die rechtliche Organisation der Kongregation nach den Kriterien des missionarischen Einsatzes überdenken und der neuen Realität anpassen sollen. Mit anderen Worten: sollte eine rechtliche Teilung nicht in erster Linie die ‚missionarischen Situationen‘ vor Augen haben anstatt der Verwaltungsgrenzen eines Staates?

Diese Frage ist nicht neu, denn sie wurde bereits auf dem Generalkapitel 2009 angeschnitten, aber ohne sich mit dem Problem auseinanderzusetzen. Es stimmt zwar, dass die Lebensform beim Austausch von Personal zwischen Jurisdiktionsbereichen eine gewisse Flexibilität (116 und 125) vorsieht. Jedoch die Neugestaltung (oder wie immer man das nennen will) einer Provinz gemäß einer ‚missionarischen Situation‘ fördert die Einheit und Identität, erleichtert die Ausarbeitung gemeinsamer pastoraler Richtlinien und die Überprüfung der übernommenen Einsätze.

Meiner Ansicht nach sollten wir diese drei problematischen Knotenpunkte (und andere, sollten sich weitere ergeben) mit Aufmerksamkeit verfolgen, in ständigem Dialog darüber bleiben und ehrlich darüber nachdenken.

Wir wollen weiterhin auf Gott, Comboni und die Menschen hören, um in der heutigen Mission die Zeichen der Zeit und der Orte wahrzunehmen und auf sie hinzuweisen” (KD ’15,  22). Dieser Aufgabe dürfen wir uns nicht entziehen.
P. Mariano Tibaldo mccj

Zum Nachdenken

  1. Wenn ich meine eigene Geschichte und/oder jene der Kongregation in Erinnerung rufe, welches sind die Grunderfahrungen gewesen, die mein Leben geprägt haben, und in denen ich die Gegenwart Gottes erkenne? In wieweit haben diese Ereignisse mich oder das Leben der Provinz verändert?
  2. Gibt es förderliche Handlungen, die in der Provinz und/oder auf einem sozialen Gebiet etwas verändert haben? Wie sehen diese Veränderungen aus? Wer hat sie ausgelöst?  Was ist in unserer Missionstätigkeit mehr das Ergebnis von persönlichen Plänen als vom Versuch, auf Veränderungen hinzuarbeiten?
  1. Welche schwierigen Situationen auf persönlicher und/oder auf Kongregationsebene haben meine missionarische Sendung geläutert und glaubwürdiger gemacht und der Provinz geholfen, das Wesen der Mission wiederzufinden?
  2. Gibt es Konflikte und wie begegne ich ihnen in der Gemeinschaft und in der Provinz?

Übersetzung P. Alois Eder, mccj, Ellwangen

[1] Domenico Agasso sr – Domenico Agasso jr, Un profeta per l’Africa. Daniele Comboni, Cinisello Balsamo (Milano), San Paolo, 2011, pp. 279-280.

[2] Antonio Vignato, Una pagina di storia catechetica africana, in «Combonianum», 8 (1944)2, p. 11-12. Roma, Archivio Centrale, l/A/l.

[3] Kurze Übersicht über die Kontakte der italienischen (FSCJ) und der deutschen Comboni-Missionare (MFSC), im «Bollettino» (1972) 97, S. 58.

[4] Ibid. p. 58.

[5] Ibid. p. 58.

[6] Ibid. p. 59.

Die geschichtliche Entwicklung des Instituts der Comboni-Missionare

LOGO 150 aniversario MCCJ„Das Leben von Daniel Comboni (1831-1881) – schreibt P. Fidel González Fernández, Comboni-missionar – nimmt einen klaren, einheitlichen Entwicklungsgang, in dem die verschiedenen Aspekte zusammenfließen. Wir wollen jedoch hier unsere Auf-merksamkeit auf Comboni, den Gründer von „Missionsinstituten“ richten, und zwar im Kontext der von Propaganda Fide abhängigen Missionsinstituten. Comboni hat zwei „Missionsinstitute“ gegründet: ein Seminar oder Missionsinstitut für die afrikanischen Missionen (1867) und das Institut der „Frommen Mütter des Negerlandes“ (1872). Dieses ist Teil der Geschichte der „neuen Institute“ gottgeweihten Lebens, die im neunzehnten Jahrhundert eine ganz besonders innovative Geschichte haben. In der geschichtlichen Entwicklung des Instituts der Comboni-Missionare kann man ganz klar drei Phasen unterscheiden.“

DAS COMBONI-INSTITUT FÜR DIE AFRIKANISCHEN MISSIONEN IN SEINER ERSTEN “SÄKULAREN” PHASE

(Erster Teil)

  1. Die Geschichte der Missionen und der Missionsinstitute unter Propaganda Fide

Die Geschichte der Evangelisierung beginnt am Pfingsttag und entwickelt allmählich neue Formen in der Kirchengeschichte[1]. In den ersten Jahrhunderten verbreitet sich das Christentum“ von Erfahrung zu Erfahrung” (Ratzinger). Erst ab dem IV. Jahrhundert bildet sich langsam eine „organisierte“ Missionstätigkeit heraus. In der Moderne entstehen neue Formen und Methoden. Gottgeweihte Personen, alte Orden und neue Institute, „Missionsinstitute ad gentes“ genannt, arbeiten jetzt unter den nichtchristlichen Völkern. Name und Begriff von „Missionsinstitut“ sind in der Kirchengeschichte relativ neu, wie auch die Bezeichnung „Mission“. Sie wurden nach der Gründung von Propaganda Fide (1622) eingeführt. Die Missionare sind “Ausgesandte” des Papstes, die in irgendeinem Gebiet der Welt unter Nichtkatholiken und Nichtchristen (Evangelisierung der Völker oder ad gentes) apostolische Aufgaben übernehmen (Jesuiten und später Lazzaristen, Congregatio Missionum, 1625).

Joseph Ratzinger schreibt auf einer der letzten Seiten seines Buches Jesus von Nazareth, wo er von der „Zwischenankunft“ (zwischen Bethlehem und der endgültigen Verherrlichung) spricht, dass diese „Wiederkunft“ viele Weisen annimmt, aber einige von ihnen „Epoche machen“. Er bezieht sich auf den Einfluss von gewissen Persönlichkeiten, mit deren Hilfe Christus in der Geschichte wirkt. Der Heilige Geist ruft durch diese Persönlichkeiten Bewegungen in der Kirche ins Leben, die von der Schönheit des Christ-Seins Zeugnis geben, gerade zu Zeiten, in denen die Glaubensmüdigkeit eine Art Epidemie wird. Das ist in der modernen Missionsgeschichte geschehen. Beschäftigt man sich mit der Missionsgeschichte ad gentes, die mit der Gründung von Propaganda Fide beginnt, kann man eine ganze Reihe von charismatischen Persönlichkeiten anführen, die das Missionswerk ad gentes in die Hand genommen haben. Der Papst hatte Propaganda die Aufgabe übertragen, sich um die notwendigen Glaubensboten umzusehen, „um in allen Missionsgebieten das Evangelium zu verkünden und die katholische Lehre zu verbreiten“. Da die Kongregation selber über keine eigenen Missionare verfügte, musste sie bei den alten Orden anklopfen. Ihr Aufruf hatte aber nur geringen Erfolg. Deswegen unterstützte sie die Geburt von neuen Missionsinstitutionen unter ihrer Jurisdiktion. So begann die Geschichte der Missionsinstitute “ad gentes”.

Propaganda Fide kannte einerseits die Vorteile, welche die alten Orden für die Missionsarbeit mitbrachten, andererseits aber auch die Nachteile. Diese zwei Aspekte hatte der Sekretär von Propaganda Fide Alberizi in seinem Bericht vom 4. Dezember 1657 hervorgehoben. Darin heißt es: „es kommt vor, dass die Ordensleute in erster Linie den Ruhm ihres Ordens suchen in der Überzeugung, für die Ehre Gottes zu arbeiten“. Andere Nachteile waren die Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Orden, ihr geringes Interesse, den einheimischen Klerus zu fördern oder ihm genügend Vertrauen zu schenken und ihr Widerstand bei der Ernennung von Missionsbischöfen. Sie strebten danach, sich in den Gebieten durch ein Missionsmonopol „für immer festzusetzen“. Alberizi wies auch auf die Gründe hin, warum die Erfolge der Evangelisierung so gering waren, sowie auf die schädlichen Folgen des Monopols von gewissen Orden und der Einflussnahme auf die Missionstätigkeit von politischen Gruppen, an die sich die Missionare selbst oft zu sehr anlehnten. Der Bericht schloss mit einem direkten Hinweis auf die erst erfolgte Gründung des Seminars für die Auslandsmissionen von Paris (MEP) und auf das Propaganda Kolleg in Rom. Man stand vor dem neuen kirchlichen Phänomen der “säkularen”[2] Missionsinstitute. In diesem Kontext werden verschiedene Missionare allmählich mit ihren Initiativen beginnen, auch Daniel Comboni, und Missionsseminare oder Missionsinstitute gründen (die Terminologie ist noch sehr ungenau und die rechtliche Form solcher Gründungen wird erst gegen Ende des XIX. Jahrhunderts klar umrissen werden). Im neunzehnten Jahrhundert war es nicht möglich, weitere Orden nach altem Modell zu gründen. Das erlaubte weder das Kirchenrecht noch die staatlich-liberale Gesetzgebung. Mit der französischen Revolution beginnt auch für die Kirchengeschichte und für das gottgeweihte, apostolische Leben eine neue Epoche. Die Missionsgeschichte der Kirche befand sich bereits seit längerer Zeit in einer tiefen Krise und viele kirchliche Institutionen erlebten einen Niedergang (manche sterben aus), es entstanden aber gleichzeitig zahlreiche neue, apostolische Gründungen, die noch auf der Suche nach einer eigenen rechtlichen Form waren.

Der Zusammenbruch von alten Regierungsformen, der Zerfall der alten Gesellschaft der „sozialen“ Schichten, die Entstehung der neuen, liberalen Gesellschaft der sozialen „Klassen“ und der Nationalstaaten werfen die alte, kulturelle, soziale und politische Ordnung über den Haufen und mit ihr auch die kirchliche Ordnung. In dieser vom Liberalismus geprägten Gesellschaft lösen sich viele alte kirchliche Strukturen auf oder werden sogar von der beherrschenden Ideologie überrumpelt. Die alten Orden ringen um ihr Überleben oder bemühen sich, in einigen Fällen, um eine Restauration. Man darf diesen Zustand jedoch nicht dem liberalen Staat allein in die Schuhe schieben. Viele Orden befanden sich bereits seit geraumer Zeit in einem Zustand inneren Verfalls. Der Heilige Stuhl versuchte es – oft mit viel Mühe – mit einer Restauration, indem er unwirksame Gesetze und Normen erließ. Von den alten Orden überlebten nur wenige. Es sind jene, die die Kraft ihres eigenen Charismas wiederentdecken und zum Geist des Ursprungs zurückfinden. Es entstehen neue kirchliche Institutionen, die auch in der Missionsgeschichte aufscheinen.

  1. Kontext der neuen missionarischen Bewegung

Was die Mission betrifft, muss man sich die desolate Lage der Missionstätigkeit ad gentes der Kirche zur Zeit der französischen Revolution vergegenwärtigen. Die Auflösung des Jesuitenordens (1773) und das damit verbundene Auflassen seiner Missionen haben für die Missionstätigkeit verheerende Folgen nach sich gezogen. Der Missionsgeschichtsschreiber Joseph Schmidlin hat festgestellt, dass es am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts in der ganzen nicht-katholischen Welt höchstens 300 Missionare gegeben hat (die Missionare in protestantischen Ländern miteingeschlossen). Die Aufhebung der Kongregation von Propaganda Fide durch das französische Direktorium (15. März 1798) symbolisiert diese Dekadenz. Sie wurde als nutzlose Institution hingestellt. Napoleon hatte ihre Errichtung zwar wieder erlaubt, aber um sich ihrer für seine eigenen Zwecke zu bedienen. Alle Kolonialmächte des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts waren von dieser Mentalität geprägt. Propaganda Fide hat trotz ihrer neuen Struktur durch Papst Pius VII. 1817 bis zur Wahl von Papst Gregor XVI. ein Schattendasein geführt. Erst ab diesem Zeitpunkt erwachte in einigen kleinen Kreisen langsam die Mission ad gentes.

Zum Erwachen des Missionsgeistes hat eine um sich greifende christliche Erneuerungsbewegung beigetragen, die sich zuerst der aufklärerischen und dann der liberal-positivistischen Kultur entgegensetzte. Einige betrachteten die Dringlichkeit der Missionstätigkeit als einen Imperativ der “Caritas Cordis Christi”. In diesem Kontext  muss die Geburt der Missionswerke gesehen werden. Zu den wichtigsten Erscheinungen der Missionsbewegung gehören das Institut für die Auslandsmissionen von Paris und die „Missionssäkularinstitute“.

  1. Die verschiedenen Entwicklungsphasen des Comboni-Instituts

Besondere Aufmerksamkeit schenkt die Missionsbewegung des neunzehnten Jahrhunderts den schwarzen Völkern Afrikas. In dieser Bewegung spielen sich die mühsame Geschichte der Mission Zentralafrikas und die Gründung von Comboni ab. Der junge Missionar Daniel Comboni hat in dieser Geschichte eine ständig wachsende Stellung eingenommen. Sein Ausbildungsgang hat ihm in seinem missionarischen Heranreifen geholfen. Seine endgültige Berufung zur Evangelisierung jener Völker und zur Gründung des Missionsseminars für die Missionen Afrikas erreichte seinen charismatischen Höhepunkt mit dem „Plan für die Evangelisierung Afrikas“ (1864), den bereits andere Autoren ausführlich beschrieben haben[3]. Das Leben von Daniel Comboni (1831-1881) nimmt einen klaren, einheitlichen Entwicklungsgang, in dem die verschiedenen Aspekte zusammenfließen. Wir wollen jedoch hier unsere Auf-merksamkeit auf Comboni, den Gründer von „Missionsinstituten“ richten, und zwar im Kontext der von Propaganda Fide abhängigen Missionsinstituten. Comboni hat zwei „Missionsinstitute“ gegründet: ein Seminar oder Missionsinstitut für die afrikanischen Missionen (1867) und das Institut der „Frommen Mütter des Negerlandes“ (1872). Dieses ist Teil der Geschichte der „neuen Institute“ gottgeweihten Lebens, die im neunzehnten Jahrhundert eine ganz besonders innovative Geschichte haben[4].

In der geschichtlichen Entwicklung des Instituts der Comboni-Missionare kann man ganz klar drei Phasen unterscheiden.

Die erste Phase beginnt mit der Gründung des Missionsseminars für Afrika, das ein ganz konkretes Ziel verfolgt, nämlich die Evangelisierung, und im Einklang steht mit ähnlichen, bereits bekannten Initiativen der Kirche seit dem siebzehnten Jahrhundert. Die Mitglieder waren Weltpriester oder Priesterkandidaten, denen sich von allem Anfang an einige Laienmitglieder anschlossen. Aus unseren Quellen geht nicht hervor, dass sie ursprünglich durch eine Art Gelübde gebunden waren. Der Kandidat musste nur versprechen, nach der „Zielsetzung“ des Seminars unter den rechtmäßigen Oberen zu leben. Dabei erhielt er die „Bescheinigung“ als apostolischer Missionar, die die Propaganda Fide den Missionaren ausstellte, die unter ihrer Abhängigkeit arbeiteten. In dieser Phase wird betont, dass seine Mitglieder Weltpriester sind. Diese blieben irgendwie an ihre Heimatdiözese gebunden, die sie für gewöhnlich vorstellte oder wenigstens für die Missionstätigkeit empfahl. Das Institut „hängt vom Papst und von der Kongregation der Propaganda Fide ab… Der unmittelbare Obere des Instituts ist der Bischof von Verona. Er wird von einem Rektor vertreten, welcher für gewöhnlich aus den Reihen der Missionare genommen wird, die Mitglieder des Fundamental-Instituts sind und bei der Ausübung des Apostolats in Afrika Erfahrung gesammelt haben“. „Der Bischof von Verona wird in seiner Funktion von einem Gremium unterstützt, in welchem er den Vorsitzt führt, und welches aus den besten und angesehensten Priestern und Laien seiner Diözese zusammengesetzt ist, und den Titel eines Zentralrates des Werkes für die Wiedergeburt Afrikas trägt“[5]. Diese Regeln spiegeln zum Teil die rechtliche Dynamik der Auslandsmissionen von Paris wieder, aber mit wichtigen Varianten. Diese betreffen die grundlegende Autorität des Bischofs von Verona und des von ihm gewählten Rates. Der “Bischof von Verona hat dieses Seminar auf Bitten vom Priester und apostolischen Missionar Daniel Comboni 1867 kanonisch errichtet“. Das Seminar für die afrikanischen Missionen von Verona ist so entstanden und wird in seiner prekären Existenz bis Ende 1871 so bleiben[6].

Von jenem Jahr an zeichnet sich eine klarere Form des Seminars für die afrikanischen Missionen ab und mehr noch für die Mission von Zentralafrika, einem ausgedehnten Gebiet ohne genaue Grenzen. Comboni hatte bereits mit seinem Missionswerk in Kairo wichtige Erfahrungen gesammelt, das er 1868 gegründet hatte. Es ist ihm klar geworden, dass ein Seminar für die afrikanischen Missionen in Zentralafrika ohne eine spezifische, rechtliche Struktur nicht auskommt. Schmerzliche Erfahrungen hatten ihn darüber belehrt. Das Gemeinschaftsleben und die Missionstätigkeit erforderten einen größeren Zusammenhalt unter seinen Missionaren und einen entschiedeneren formellen Einsatz.

Damit fängt die zweite Phase dieser Geschichte an. Comboni beginnt die Regeln seines Instituts zu schreiben und bemüht sich um die Approbation von der Propaganda Fide. Es sei hier darauf hingewiesen, dass der Begriff Institut nicht mit der Bedeutung identisch ist, den es in unserem heutigen Sprachgebrauch hat[7].

In dieser zweiten Phase wird von den Mitgliedern des jungen Instituts eine spezifischere, kanonische Bindung verlangt, aber immer nach den „Regeln von 1871-1872“, die die Propaganda Fide nie approbiert hat. Es fehlt aber immer noch jene rechtliche Genauigkeit, die damals für kirchliche Institutionen öffentlichen Rechtes verlangt wurde. Auch die Ausdrucksweise und die festgesetzten Normen wie „Noviziat“ und andere sind weiterhin ungenau, obwohl sie sich an die Terminologie des klassischen Ordenslebens halten. Es sind ermahnende, allgemeine, juristische „Regeln“ und werden deswegen auch nie approbiert werden. Die Vorbereitung auf die Afrikamission sollte in Verona oder Kairo stattfinden. Es wurden keine Gelübde abgelegt – und wie es scheint auch keine private – aber es gab die Bindung an die afrikanische Mission durch einen Eid „auf ewig“, den Gehorsam den rechtmäßigen Oberen gegenüber und die Abhängigkeit vom eigenen kirchlichen Oberen. Es ist ausdrücklich von der Kongregation Propaganda Fide und dem Bischof von Verona die Rede, aber es fehlt eine klare und präzise rechtliche Form. Die Regeln des Instituts enthalten Hinweise auf eine radikale Lebensweise (sie weihen ihre Werke und, wenn nötig, auch ihr Leben…), ohne aber genau den Inhalt zu beschreiben. In der Einleitung zu den Regeln schreibt Comboni:

“Damit die Regeln des Instituts, welches Apostel auszubilden hat, von Dauer sind, müssen sie sich auf allgemeine Prinzipien stützen…” und er gibt gleich den Grund an: “Würden sie sehr ins Einzelne gehen, würde sehr schnell entweder die Notwendigkeit  einer Änderung oder eine gewisse Lust am Ändern das Fundament des Gebäudes bedrohen und sie würden zu einem harten Joch und zu einer schweren Last für denjenigen werden, der sie beobachten muss. Weil nun das Feld, auf dem der Kandidat zu arbeiten hat, so ganz anders und unermesslich ist, kann es auch nicht auf bestimmte Ämter wie in den Ordensgemeinschaften eingegrenzt werden; wohl aber müssen jene allgemeinen Prinzipien sein Denken und sein Herz beherrschen in einer Weise, dass er sich selber zurechtfinden kann, indem er sie mit Umsicht und Urteilskraft zu verschiedensten Zeiten und an ganz verschiedenen Orten und unter ganz anderen Umständen zur Anwendung bringt, in die ihn seine Berufung stellt. Um das Ziel zu erreichen, auf welches das neue Institut der Mission für Afrika ausgerichtet ist, werden deshalb nur jene grundlegenden Prinzipien aufgestellt, die seine wahre Ausrichtung charakterisieren, und die den Schülern als Richtschnur dienen, um mit voller Gleichförmigkeit und jener Ausgeglichenheit des Geistes und des äußeren Benehmens zu prüfen, woran man die Mitglieder einer einzigen Familie erkennen kann”[8].

In dieser Phase werden die Mitglieder des Instituts bereits als “Priester und Laien” bezeichnet, die sich der Mission weihen[9]. In den Regeln von 1871 heißt es: „Das Institut oder Kolleg für die Missionen von Afrika ist eine Vereinigung von Priestern und Laienbrüdern, welche sich ohne Gelübde… der Bekehrung Afrikas widmen”[10]. Die „ Regeln und die Organisation des Instituts für die Missionen von Afrika in Verona” von 1872 sind ein von Comboni selbst gekürzter und umgearbeiteter Text seiner Regeln von 1871[11]. Der Text dieser zweiten Auflage der „Regeln“ ist Teil der Dokumentation, die im Kardinalsbericht von 1872 an Propaganda Fide aufscheinen. Nach dem Kardinalstreffen wurde Comboni zum Provikar ernannt und dem Institut, das er in Verona und Kairo gegründet hatte, die Mission von Zentralafrika übertragen. Es heißt: „Das Institut für die Missionen von Afrika ist eine freie, säkulare Vereinigung von Priestern und Laien, die ihre Tätigkeit und, wenn nötig, auch ihr Leben der Bekehrung der armen Heiden von Zentralafrika weihen, unter der Abhängig von den rechtmäßigen Oberen und den Vorschriften dieser Regeln”[12].

Von 1872 bis zu seinem Tod werden Comboni selbst und die anderen Mitglieder die Form des Instituts allmählich klarer zu definieren suchen. Comboni bemühte sich um die endgültige, kanonische Approbation durch Propaganda Fide: aber welche Art von Vereinigung schwebte ihm vor? Welche rechtliche Form wollte er? Es handelte sich nicht um eine Kongregation mit einfachen Gelübden im modernen Sinn. Es ging ihm auch nicht, wie es scheint, um eine Kongregation oder Gesellschaft ähnlich jenen, die bereits existierten, und von der Kirche seit dem sechszehnten Jahrhundert approbiert worden waren. Solche waren zum Beispiel die Missionspriester und später Kongregationen mit einfachen Gelübden wie die Redemptoristen und Passionisten. Handelte es sich vielleicht um eine Art „apostolische Gesellschaft“ von Priestern und Laien, die sich wie die Auslandmissionen von Paris oder andere ähnliche Gründungen den Missionen weihen?[13] Den Quellen nach scheint das die Absicht Combonis gewesen zu sein. Durch seinen vorzeitigen Tod ist die juristische Frage unbeantwortet geblieben. Die darauf folgende Phase hat mit Comboni nichts mehr zu tun. Wir müssen aber zugeben, dass Comboni von seinen Missionaren jene radikale, evangelische Lebensweise verlangte, die typisch für Ordensleute ist, obwohl sie keine Ordensleute im klassischen Sinn waren. Diese Sachlage finden wir auch in ähnlichen, apostolischen Gemeinschaften von damals. Dachte Comboni vielleicht daran, sein Institut in eine Kongregation klassischen Stils umzuwandeln wie es später geschehen ist? Die verfügbaren Unterlagen erlauben uns jedoch nicht, eine sichere Antwort zu geben, denn für die Geschichte zählen nur Fakten und keine Absichten. Was er aber sicher vorhatte, war eine Gesellschaft von Missionaren ins Leben zu rufen, die sich ganz Christus und seiner Kirche für die afrikanische Mission weihen, alle Merkmale gottgeweihten Lebens aufweisen, und den Spuren ähnlicher Gründungen zu folgen, die von der Kirche bereits anerkannt wurden oder im Entstehen waren.

Vielleicht kann man zusammenfassend sagen: von 1871 bis 1881, dem Todesjahr Combonis, macht sich das Seminar oder das von ihm gegründete afrikanische Missionsinstitut auf die Suche nach einer eigenen, juristischen Form für die „Vereinigung von Priestern und Laien“, die sich der Mission weihen und ihr durch dauerhafte Bindungen angehören („Weihe“: zuerst für zehn Jahre nach den Regeln von 1872, die aber die Tür für die ewige Weihe offen lassen; später ganz ausdrücklich “in perpetuo”, wie es im Text des Missionseids für Brüder heißt, den Comboni selbst verfasst hatte). In seiner logischen Entwicklung hätte sich sicher eine dauerhafte societas gemeinsamen und apostolischen Lebens herausgebildet. Jeder Samen braucht seine Zeit, sich zu entwickeln und zu wachen. Das trifft auch auf das Comboni-Institut zu, auch wenn Combonis Tod eine andere Phase mit einem ganz neuen Problemkreis auslöst.
P. Fidel González Fernández, mccj
Übersetzung: P. Eder Alois, mccj, Ellwangen

[1] Vgl. Fidel González, Die Bewegungen in der Kirchengeschichte von den Aposteln bis heute, Rizzoli, 2000.

[2] Der Ausdruck “säkular“ schließt bis zum Beginn des neunzehnten Jahrhunderts alle Formen apostolischen Lebens ein, die rechtlich nicht als Orden bezeichnet werden wie die Mönche, die Brüder und ähnliche. Die “Kongregationen”, die ab dem XVI. Jahrhundert gegründet wurden, werden ganz allgemein als “säkular” bezeichnet.

[3] Vgl. Congregatio De Causis Sanctorum, Danielis Comboni. Positio super vitae et virtutibus… (wird ab hier als D.C. Positio zitiert), 2 vol. Romae 1988. Die Bücher von P. Chiocchetta und A. Gilli sind grundlegend; von F. González, Daniel Comboni, Profeta y Apostol de Africa, Mundo Negro, Madrid 1985; Idem, Comboni en el corazón de la Misión Africana. El Movimiento misionero y la Obra comboniana:1846-1910, Madrid 1993.

[4] Die katholische Kirche des neunzehnten Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch die herausragende Rolle der Frau im Leben der Kirche und die zahlreichen Neugründungen von weiblichen “neuen Instituten” (nicht mit den Begrenzungen des Ordenslebens, aber ähnlich den “Säkularinstituten”), die alle Bereiche sozialer Ausgrenzung abdecken. Diese neuen Gründungen werden das Recht der Ordensfrauen oder das gottgeweihte Leben „revolutionieren“.

[5] Regole von 1871, Kap. II, in D. Comboni, Scritti, 2650-2652.

[6] Vgl. Diözesandekret des Bischofs von Verona, Magno sane perfundimur gaudio, in ACR, sez. A, c. 25/14 (kalendis Iunii [1. Juni] an. 1867. Programm und Statut des Werkes des Guten Hirten, in ACR, sez. A, c. 25/14; Brief Bonus Pastor des Bischofs von Verona an die Bischöfe Italiens (6. März 1868), in ACR, sez. A, c. 25/14; Dekret des Bischofs von Verona zur kanonischen Errichtung des neuen Instituts vom 8.XII.1871, in ACR, sez. A, c. 25/20: in A. Gilli, L’Istituto Missionario Comboniano dalla fondazione alla morte di Daniele Comboni, pp. 359-378. Es folgen weitere Briefe des Bischofs an Pius IX. und an den Kardinalpräfekten von P. F. und andere Dokumente zum Thema.

[7] Unter “Institut” versteht man eine rechtlich-öffentliche oder private Körperschaft, die auf der Grundlage von organisatorischen Bedürfnissen und bestimmten Zielen errichtet wird: kirchliche Institute (religiöse, missionarische), Erziehungsinstitute, Krankenhäuser usw., Institut nach präzisen Gesetzen und Normen für festgesetzte Zwecke öffentlichen Interesses. “Kongregation” (congregare, wörtlich, vereinigen, “zu einer Herde vereinigen”), ist im katholisch-kirchlichen Bereich eine Gruppe von Personen, die sich aus religiösen oder weltlichen Motiven zusammentun. In der Ordensgeschichte hat der Begriff verschiedene Bedeutungen gehabt; eine davon bezieht sich nach dem neunzehnten Jahrhundert auf „Institut“ des gottgeweihten Lebens mit einfachen Gelübden; es handelt sich aber um keinen eindeutigen Begriff.

[8] D. Comboni, Regole dell’Istituto delle Missioni per la Nigrizia. Text von 1871, ibei P. Chiocchetta, Daniele Comboni: Carte per l’Evangelizzazione dell’Africa, EMI, Bologna 1978, SS. 250-251.

[9] Regole (1872), Kap. I, 1, ibidem, S. 276.

[10] Regole (1871), Kap. I, ibidem, S. 252.

[11] Vgl. D. Comboni, Regole (1871), Kap. I-II, bei P. Chiocchetta, Daniele Comboni: Carte per l’evangelizzazione dell’Africa, SS. 249-275.

[12] Regole (1872), Text bei P. Chiocchetta, Carte per l’evangelizzazione dell’Africa…, o.c.,S. 276, und bei A. Gilli, L’Istituto Missionario Comboniano dalla fondazione alla morte di Daniele Comboni, SS. 359-378.

[13] Sie entstanden, wie bereits gesagt, nachdem mit der französischen Revolution fast das ganze organisierte Ordensleben verschwunden war.